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Tcr Schlaftrunk.
ein) Was wir wünschen, Fincttc! (nachdem er getrunken) Nun?du thust mir nicht Bescheid? Wünschest du denn nichts?
Amclte. Für unser eins ist das Wünschen bloße Träumc-rcy. Das Wenige, was ich dabey zu hoffen habe, kann ichganz gelassen erwarten.
Philipp R. Das Wenige? (indem er ihr halb leeres Glas vollschenkt) Siehst du, Fincttc, daS Wenige ist des Mchrcru fähig!Freylich, was hicr hinzukommen soll, muß anderswo abgenom-men werden. So meine ich es auch. Charlotte ist unsere Ver-wandte; aber ist sie deine? So ein wcitläustigcs Mühmchcnbey einem alten Hagestolze auszustcchcn, bey Gott, Fincttc!das würde eben so wenig Sünde seyn, als — (nimmt sein Glas)Lottchcn soll leben! — als ein Glas Wein auszustcchcn. (und trinkt)
Flnette- O, der Sünde wegen! —
Philipp R. Mädchen, du hast englischen Verstand. Sünde!Sünde! Weißt du, was die größte Sünde in der Welt ist?
— Ein leeres Glas ist eine große Sünde, (indem er einschenkt)Aber es giebt doch noch eine größere. Du meinst: ein vollesGlas nicht austrinkcn? (indem er trinkt) Auch eine große Sünde!
— Aber die größte? Die größte Sünde ist die Sünde — wi-der das Tempo. Ich nenne Tempo — Setze dich nieder, Fi-ncttc, und höre mir zu!
Finctte- Zch bitte Sie, Herr Philipp, lassen Sie michnicht vergessen, wer ich bin.
Philipp R. Aber, wenn Zch es nun vergessen wollte?Wenn Zch es nun vergessen wollte, wer du bist, und werich bin?
Fmetle- So ist es meine Schuldigkeit, Sie daran zu er-innern.
Philipp R. Schuldigkeit! Man ist niemanden in der Weltetwas schuldig, als sich selber. Und siehst du, Fincttc; einesolche mißverstandene Schuldigkeit, das wäre gerade eine Sündewider das Tempo.
Finctte- Zch verstehe Sie nicht, Herr Philipp —Philipp R. Du wirst mich verstehen, wenn ich dir sage,daß Tempo so viel ist, als das italienische Tempo. Ein jederMensch hat sein Tempo; einer früher, der andere später. Aber