von Frankreich verfolgte alle, die sich der neuen Lehrezuneigte», nnd Calvin sah sich genöthigt, 1833 Paris heimlich zn verlassen nnd einige Jahre ohne RuhcportFrankreich, Italien nnd die Schweiz zn durchirren, bisihm endlich Basel ein friedliches Aspl zn gewähren schien.Doch auch dort litt es Calvin nicht lange, er gingwieder nach Italien , kam nach Fcrrara nnd fand großeTheilnahme bei der Herzogin Renate, ging von da nachAosta, dann wieder nach Frankreich zurück und ließ sichendlich 1336 in Genf nieder.
Durch sein schon in Basel begonnenes Hauptwerk:Unterweisung der christlichen Religion in 4 Büchern,dessen Vorrede an Franz I. gerichtet war, that Calvinkund, welch ein hoher Geist ihn beseelte und wie sehrer befähigt sei, am Werke der Kirchenvcrbessernng thätigmit zn arbeiten; er befreundete sich auch mit alle denbedeutenden Franzosen und Schweizern, deren Ziel dasseine war, mit Capito, Grynäus, Farcl und andern.Der Rath zu Genf nahm Calvin zum Prediger anund räumte ihm einen Lehrstuhl der Theologie ein; erverfaßte dort einen Katechismus für den religiösen Ju-gendunterricht, eine Bekcuntnißformel und entwarf eineKirchenordnung, durch deren Annahme die BürgerschaftGenfS sich 1537 feierlich von der katholischen Kirche lossagte. Da indeß eine zahlreiche sittlich verdorbeneJugend, die Partei der sogenannten Libertincr, welchevon kirchlicher Zucht und Ordnung nichts wissen wollte,cincstheils, andcrnthcils eine Gegenpartei, die von Bern und Lausanne auS mächtige Unterstützung fand, ihmund seinem Freund Farel heftig entgegenarbeiteten, sosahen sich beide veranlaßt, ja gezwungen, 1538 Genf zu verlassen. Calvin wandte sich nun nach Straßburg ,wo sich eine französische Gemeinde gebildet hatte undwo er als Prediger wie als Professor der Theologiedie Lehrkanzeln bestieg. Dort weilten und wirktenBuzcr, Capito und Hedio , die ihn mit offenen Armenaufnahmen und mit offener Liebe entgegenkamen; dortauch verheirathete sich Calvin und dort schrieb er seinewichtige Schrift Oo In Löiro ein Leignour, in welcherer sich gegen die Bedeutung der Abcudmahls-Eiusetzungs-worte, wie puthcr und wie Zwingli sie lehrten unddeuteten, entschieden aussprach, welche bald in die la-teinische und in die deutsche Sprache übersetzt wurdeund sich viele zustimmende Vertheidiger und Bewun-derer gewann. Darauf wohnte Calvin auch den Ne-ligionsverhandlungen zu Hagenau, Worms und Rcgeus-burg bei und lernte Mclanchthon kennen und hoch-schätzen. In Genf vermißte man schmerzlich Calvin,bereute das gegen ihn verübte und bewirkte 1511 seineglänzende Znrückbcrufung. Seine Wiederkehr glich einemTriumphzuge, während Straßburg , durch große Bitten
Genfs bewogen, den bedeutenden Mann ziehen zu lassen,ihn höchst ungern verlor. So wurde Calvin Deutsch-land wieder entzogen, aber sein Einfluß blieb, zumaler fortfuhr, mit derselben Unerschrockenheit und Strenge,die er früher in Genf gezeigt, für die Wahrheit undden geläuterten Glauben, für Ordnung, Zucht undSittenreiuheit zu kämpfen, wo immer deren Feinde auf-treten und begegnen mochten. Abermals wurde die kirch-liche Disciplin durchgesehen und neu vom Genfer Rathebestätigt, und Calvin entwickelte als Prediger, als Vor-sitzender des Cvnststoriums, als kirchlicher Nathgebernach vielen Seiten, besonders auch nach Frankreich hin,und als Schriftsteller eine außerordentliche Thätigkeit.Er übersetzte in diesem Zeitraum seinen Katechismusder Genfer Kirche, der 1536 in französischer Spracheerschienen war, in die lateinische (die klebertragung er-schien 1545), veranstaltete für Genf eine Gesetzsamm-lung, schuf eine neue Liturgie, bekämpfte standhaft undfortwährend die Lehre der Wiedertäufer und die schonerwähnten sittenlosen Libertincr, wie nicht minder ein-zelne Gegner mit nicht geringer Heftigkeit, worin dieFreunde Beza, Farel und Viret ihm treulich Beistandleisteten. Freilich steigerte sich bisweilen die Strengedes eifrigen Reformators Calvin bis zur Härte, ja zurGrausamkeit, wie die Geschichte Michael Servet's lehrt,der die Dreieinigkeit Gottes und anderes abläugneteund den Calvin 1553 gnadenlos verbrennen ließ; dochentsprang diese furchtbare Strafe keinem persönlichenHaß, sie galt nur dem gefährlichen Beispiel, denn wennServet's Lehre, wie es allerdings hie und da geschah,Anhang und Zustimmung fand, so war es um die ganzechristliche Kirche gethan, die zu verspotten und zu unter-graben zu allen Zeiten Köpfe und Federn bereit sind.Calvin wurde auch 1558 der Begründer der erstenreformirten Hochschule, der zu Genf , die unter demNamen einer Academie ins Leben gerufen und unterBeza's Nectorat gestellt wurde. Einen ehrenvollen Rufnach Frankreich schlug Calvin aus, er wollte in Genf bleiben, zumal körperliche Leiden ihm anhaltend dasDasein verbitterten. Seine Lehre, die sich weit aus-breitete, bildet »och heute im Bunve mit der LehreZwingli's, mit dem Calvin, früher sein Gegner, sichspäter geeinigt hatte, die Basis der reformirten Kirche,in welcher die Dogmen vom Abendmahl und der Gna-dcnwahl als die hauptsächlichsten Abweichungen vondenen der lutherisch-evangelischen Kirche entgegenstehenund in welcher zahlreiche Spaltungen entstanden.
Calvin endete erst nach langen Leiden sein vonAnerkennung und Ruhm gekröntes Leben und blieb ingefeiertem Andenken.