von Dalbcrg, der von wichtigem Einfluß auf CeltcsLebensgang war, und den berühmten Lehrer RudolfAgricola , dem er ein dankbares Andenken bewahrte.Später wandte sich Celtcs dem Süden zu, weilte inPadua, Ferrara, Bologna, Florenz und machte diebittere Erfahrung, daß man in dem stolzen und eitelnWälschland deutschen Geist und deutsche Wissenschaftlich-kcit gar gering achtete, daher verließ er Italien undging über Venedig durch Pannonien nach Krakau , demalten hochgefcierten Sitz aller Wissenschaften und freienKünste. Dort hörte er Mathematik und Astronomie,nud las zugleich über Rhetorik und Poetik mit großemBeifall, machte ebenso angenehme Bekanntschaften alsfernere angenehme Reisen, so nach dem Salzwerk Wie-liczka, das er anziehend schilderte, und kehrte nach zweiJahren wieder nach Deutschland zurück, wo ein Freundund Landsmann, Martin Pollich aus Mclrichstadt inFranken, Leibarzt des Kurfürsten Friedrich des Weisenzu Sachsen, ihn seinem Gebieter empfahl. Dieser ließsich von Celtcs auf den Reichstag »ach Nürnberg 1487begleiten und empfahl ihn angelegentlichst dem KaiserFriedrich III., und da wiederholte der Kaiser den Braucheiner Dichterkrönung, er wand dem Poeten einen Lorbeer-kranz ums Haupt, wodurch dem also Gekrönten dasRecht wurde, selbst Poeten krönen und ernennen zudürfen.
In dem reichen und schönen Nürnberg gefiel esdem Dichter so Wohl, daß er der Stadt eine Beschrei-bung widmete; er befreundete sich auch mit Johann undWilibald Pirkheimer und andern Geistesgrößen dieserStadt, von welcher aus Celtcs seinen Wanderstab wiedernach dem Rheine lenkte und die rheinische Gelehrten-Gescllschaft gründete, welche sogar bisweilen nachihm sockgliws Lslticii genannt wurde. Männer vongeachtctstem Namensklang wurden Mitglieder derselben,der gelehrte Abt Trithem von Spanheim, der wackereRitter Eitelwolf vom Stein, Ulrich Huttcn's Gönnerund Beschützer, der berühmte Jurist Ulrich Zast, Wili-bald Pirkheimer, Conrad Pcutinger, Sebastian Brandund andere. Pflege der klassischen Literatur und Er-forschung vaterländischer Geschichte war dieses VereinesZweck und würdige Aufgabe, und Celtcs Streben zudessen Erreichung ein unermüdliches; dennoch trat ernicht selbst an die Spitze, sondern stellte an diese denvielgeltenden Bischof von Worms , den oben genannten.
Celtcs war von einer großen Reiselust beseelt; eshielt ihn nicht lange an einem Ort, aber überall strebteer literarischen und geschichtlichen Quellen nach, und sowurde ihm das Glück zu Theil, im Stift St. Emme-ran zu Regeusburg die Werke der Nonne Roswithaaufzufinden, die er seinem hohen Fürsprecher, KurfürstFriedrich dem Weisen zu Sachsen, überreichte, der 1501deren Herausgabe zu Nürnberg besorgen ließ. Ebensofand Celtcs später auf einer Reise in seine fränkischeHeimath im Kloster Ebrach ein lateinisches Epos aufFriedrich Barbarossa von 10 Gesängen, welches 1507auf Veranstaltung mehrerer Freunde im Druck erschien,und im Kloster Tcgernsee die, später unter dem Namender Peutingerschen Tafeln bekannt gewordenen Jtinera-rien. — Ferner besuchte Celtcs Mainz, Lübeck undPrag , fand aber in letzterer Stadt neben anerkennen-den Freunden auch Gegner, zumal er gegen die hussi-tischen Lchrformen und Glaubensansichten sprach undschrieb, und sah sich genöthigt, Prag eilend zu ver-lassen. In Jngolstadt erhielt Celtes eine Professur,las über Ciceros Redekunst, über Mnemonik und Poe-tik, und erklärte die Oden des Horaz , dessen glücklicherNachahmer er wurde. Dort beehrte ihn sogar derBischof von Dalbcrg mit seinem Besuche. Aus Jngol-stadl durch die Pest vertrieben, wandte sich Celtes wie-der nach Heidelberg und fand endlich für sein unruhe-vollcs Lebensschiff in Wien unter Kaiser Marimiliau,im Jahr 1497, einen Ankergrund. Er las dort Phi-losophie und Metaphysik, erklärte Tacitus deutsche Ge-schichte und wirkte auch nach anderen Richtungen hinmächtig belebend und fördernd auf den neuerwachcndenwissenschaftlichen Geist. Gleich der rheinischen Gesell-schaft gründete Celtes in Wien eine Danubische, welchebald sehr bedeutende Mitglieder zählte. Er schuf dieWiener Bibliothek, unternahm noch eine große wissen-schaftliche Reise, die bis nach Irland sich erstreckt habensoll, und errichtete eine eigene Anstalt für Dichtkunst,vom Kaiser lebhaft unterstützt, die an seinem Geburts-tage 1502 feierlich eröffnet wurde, verbunden mit einemmathematischen Bildungsinstitut. — Dennoch war beiso vielseitiger und reger Thätigkeit des gediegenen Man-nes Leben nur kurz, schon im Alter von 49 Jahrenentriß der Tod der Wiener Hochschule ihren damalsberühmtesten Lehrer. Neben St. Stephans Münsterfand er sein Grab.