liebte Helmstädt und seinen Landesherr» zu sehr, umseine Heimath verlassen zu können. Der Herzog ver-galt ihm diese Treue und Anhänglichkeit wieder mitseiner vollsten Gunst und ernannte Conring, indem ermit scharfem Blick wahrnahm, daß dem Manne nochganz andere Begabung innewohnte, als die eines Phy-sikers und Philosophen, zum Professor der Politik.Jetzt erst war Conring auf dem Felde einer Wirk-samkeit, für die er geboren war, er wurde durch unddurch Staatsmann, theoretischer wie praktischer, er wurdeder erste Begründer des deutschen Staatsrechts aufwissenschaftlicher Grundlage, wie der Statistik und ca-meralistischen Geographie. Von edlem Freimuth derGesinnung beseelt, hielt Conring doch am Bestehendenfest. Von allen Seiten her ward er um Rath inwichtigen Staatsangelegenheiten gefragt und seine diplo-matischen Aussprüche galten für Orakel. Er legte durchseine Vortrüge zuerst den Grund zur Diplomatik alseiner geschäftlichen Kunst; sein Staatsrccht fußte Hwarauf Hugo Grotius , dem berühmten Vorgänger, alleines enthielt des selbstständigen und brauchbaren eine Fülle,obschon es nicht ohne Bekämpfung blieb. In seinemdeutschen Privatrecht verwirrte er das deutsche mit demrömischen Recht zu langnachhaltigem Schaden, da vieleNachfolger auf ihn als eine Autorität getrost weiterbauten. Lange erhielt sich Conring's Ansehen alsStaatsmann, und sein Einfluß am braunschweiger Hofe;politische Verhältnisse, die zu ändern nicht in seinerMacht stand, und ein Hinüberneigen des Hofes nachFrankreich scheinen auch Conring bestimmt zu haben,dem Zuge zu folgen, so sehr er Deutschland liebte unddiese Liebe durch sein berühmtes und bedeutendes Werk:«elo linibus imporii» dargethan hatte. Conring sahin einem Bündniß seines Herrn mit Ludwig XIV. , der
ihn hochschätzte und dem Colbcrt eine politische Denk-schrift widmete, Heil für sein Vaterland, das er keines-wegs, wie übel Unterrichtete behauptet haben, gegeneine Pension, die das Ministerium Colbert ihm vonFrankreich auswirkte — verrieth. Auch der Königvon Dänemark ernannte Conring zum Rath.
Dem bedeutenden Manne fehlt es nie und nirgendan Hassern und Neidern, auch Conring hatte sich derenzu erfreuen. Sie untergruben seinen Ruhm, seinWissen und Wirken konnten sie nicht untergraben;aber seine Politik ward ihm verargt, und er überlebteseinen Einfluß um so mehr, als sein Gönner, HerzogAugust, früher starb, was Conring manche Klage ab-nöthigte. Er verfaßte zahlreiche Schriften und machtesich niemals Auszüge aus andern; was er schrieb,schöpfte er aus dem Born seines eigenen gründlichenWissens; seine Schriften, meist juridischen Inhaltes,füllen sechs Foliobände. Er starb hochbetagt als Senioraller Facnltäten der Universität Helmstädt im 75. Lebens-jahre und in guten Verhältnissen. Conring hinterließauch zwei geistig begabte Töchter, Elisa Sophia undMaria Sophia. Die erstere schrieb Gedichte, brachteSalomo's Buch der Weisheit in deutsche Verse, über-setzte thcilweise den holländischen Poeten Cats undoffenbarte viele Liebe für die Natur und deren Ge-schöpfe, die sie ebenfalls poetisch zu verherrlichen suchte.Die zweite Tochter Conring's übersetzte Boccaccio, dich-tete eine dramatische Alerandr'eis, und beschenkte neben-bei Deutschland mit einem guten Kochbuche, wie miteiner Anleitung, Confitüren zu bereiten, Wissenschaftenund Künste der Töchter, die freilich denen des Vaterssehr fern standen, gleichwohl auch ihre Geltung be-haupten.