und zu wirken, wo Luther mit sich selbst kämpfte undüberwand. Frauckc's Predigten in der Augnstinerkirchezagen Schnuren von Zuhörern herbei; die Milvc seinesWesenS, der liebevolle christliche Geist seiner Vortragegewannen ihm alle Herze», selbst Katholiken hörtenmit Erbauung Francke's Predigten — aber das scha-dete ihm, und hatte der protestantische Fanatismus ihnaus Leipzig vertrieben, so vertrieb ihn 1691 der ka-tholische unter nichtigen Vorwänden mit grausamerHast aus Erfurt . Francke wandte sich »ach Halle undwurde Prediger in der Vorstadt Glaucha, wo er dasWohl seiner armen und auch sittlich vernachlässigtenGemeinde sich Herzenssache werden ließ, und namentlichsich armer verlassener Kinder, zumal wenn es Waisenwaren, auf das liebevollste und väterlichste annahm.Mittlerweile wurde durch den Kurfürsten von Branden-burg, nachherigen König Friedrich l. in Preußen dieUniversität zu Halle begründet, und Francke wurdean derselben als Professor der Theologie, später auchder orientalischen Sprachen angestellt. Als solcher grün-dete er daS Kollegium vrientale mit dem Druck hebräischerBibeln. Im Jahre 1713 erst legte er sein Pastoratzu Glaucha nieder und trat als Prediger an der Ul-richskirche in der Stadt Halle selbst an. In diesemZeitraum verfaßte Francke eine ziemliche Anzahl meistasketischer Schriften, gab auch viele Predigten undTraetate heraus und setzte die seinen Namen ungleichmehr, als seine Schriften, unsterblich machenden Be-mühungen zum Wohle der armen Menschheit fort,welche Gott mit einem wahrhaft wunderbaren undüberirdischen Segen krönte. Francke's Wort wußteBegüterte zur Wohlthätigkeit zu begeistern und Armenihr Scherflcin zu entlocke», alles für das Waisenhausund die Waisenschnle, dazu er bereits 1698 den Grundgelegt hatte. Stattlichen Fürstenbanten gleich erhobensich allmählich im Glanchaischcn Stadttheil jene Ge-bäude, für die verwaiste Armuth, für Leib- und Seelen-
pstege, für Unterricht und für Bibclverbreitnng in einerGroßartigkeit der Ausdehnung, wie wenige ähnlicheWohlthätigkeitsinstitnte in Deutschland . Mochte Franckein der frommen Richtung seines Gemüthes, die bei ihminnere, warm empfundene Wahrheit und nicht, wie beiso vielen, ein angelernter Heuchelschein war, zu weitgehen, mochte er von manchen Seiten auch härterbeurtheilt und heftiger verketzert werden, als er ver-diente, seine Schwächen, gesetzt die tiefinnerlich religiöse,gläubigfromme unerschütterliche Ueberzeugung und dieVertiefung in die heilige Schriftoffenbarung dürftenSchwächen genannt werden — schadeten niemand undsind mit ihm gestorben, unsterblich aber lebt sein An-denken fort in seinen Stiftungen. Diese waren undsind das Waisenhaus, Erziehungsanstalt für 100bis 200 Waisen, 1693; die lateinische Schule, 1697eingerichtet mit 10 Classen für 400 bis 300 Zög-linge; das Pädagogium, Erziehungsanstalt für Jüng-linge aus höheren Ständen, und die Real-, Bürgcr-und Armen schule. Diesen Anstalten dienen zur be-lehrenden Benutzung eine Bibliothek, wie ein Kunst-und Naturalicnkabinct, und zu ihren Einkünften tragenbei eine höchst bedeutende Buchhandlung und Buch-druckerei mit trefflichen Vcrlagswerken; eine Bibel-anstalt, aus der schon Millionen Bibeln und neueTestamente in alle Welttheile gingen; eine Apothekemit umfassenden Laboratorien, deren Ertrag durchGeheimmittel sich früher jährlich allein auf 40,000Thaler beließ (Wer hätte nicht einmal die HalleschenTropfen nennen hören?) Und dieß alles zum Wohleder 'Armuth und der leidenden Menschheit! — Dieletzte Vorlesung, welche Francke nach länger»! kränkelnund einen! erlittenen Schlaganfall hielt, schloß er mitden Worten: «So gehet nun hin und seid gesegnetdem Herrn immer und ewiglich!» Wenige Wochendarauf ging er selbst dahin, ein Gesegneter des Herrnimmer und ewiglich.