den tapfersten Gegnern erlitt Frundsbcrg und sein wü-thiger Mitstreiter Antonius dc Columna mit der Be-satzung und den Einwohnern die schrecklichsten Entbeh-rungen nur Wasser zum Getränk, nur gefallenePferde und Esel als Fleischspeise; dennoch wurdeVerona behauptet, bis der Kaiser die übel mitgenom-mene Stadt entsetzte. Bald darauf endete der venedischcKrieg und es begann der schwäbische, in welchem aber-mals Georg von Frundsbcrg jetzt als Bundesobersterüber das Fußvolk, 20,000 Mann, befehligte. Burgum Burg und Stadt um Stadt im WürtembergerLande eroberte der sieggewohnte Feldherr, zuletzt auchden eisenfestcn Hohenasbcrg.

Maximilian war tod und Carl V. bestieg den deut-schen Kaiserthron. Eine seiner ersten Negierungshand-lungcn war die, daß er Georg von Frundsbcrg zuWorms zum kaiserlichen Rath und obersten Feldhaupt-mann in der Grafschaft Tyrol bestätigte und ihn mitSchloß und Burghut Nuggelstein belehnte. So wieder Krieg zwischen Karl V. und Franz I. von Frankreichausbrach, wurde Frundsbcrg befehligt, in Gemeinschaftmit Franz von Sickingen und Florian von Jffelstcindie flandrischen Grenzen zu schirmen, wobei er Gelegen-heit fand, Umsicht und strategischen Takt auch durcheinen klug angelegten Rückzug seines damals schwachenHeeres gegen eine Macht von ungefähr 40,000 Strei-tern an den Tag zu legen, durch welche Umsicht er dasLeben taufender rettete.

Wieder entbrannte verderblicher Krieg in Ober-italien und wieder ward Frundsbcrg gerufen; er voll-führte einen eben so beschwerlichen als kühnen Alpen-marsch im tiefsten Schnee durch das Väl Kemoni, überdas Wormser Joch in die Lombardei, und rettete Mai-land durch seine Mannhcit und seine hervorragendePersönlichkeit. Er war von starkem Körperbau, tratkecklich in das erste Glied der Landsknechte an derSpitze der Schlachtordnung, und war dabei nicht nureines kriegerischen, sondern auch eines gottfrommenMuthes. Mit Gebet auf den Knien begann er seineAngriffe; auch dieses mal geschah es also, und er-rief: «Wohlauf, in einer guten Stunde! Im NamenGotteS!» Die Vorhut unter ihm kniete noch, als derFeind schon anstürmte; dieses mal war Arnold Winkel-ried Gegner Frundsbcrg's und bedrcutc diesen imMordgefecht mit dem Tode, eine Drohung, dieFrundsbcrg auf diesen selbst zurückschlcudcrtc und mitgrößerem Glück wahr machte. Winkclried fiel undFrundsbcrg blieb, obschon mehrfach verwundet, amLeben. Da galt es keinen Sieg für die Schweizer ,wie unter jenem hochherzigen gleichnamigen Ahn inder Scmbachcr Schlacht 1586, und vergebens ließ derStier von Uri sein Schallhorn tönen. FünftausendSchweizer mit 22 Hauptlcuten bedeckten todt die blu-tige Wahlstatt.

So heftete sich Sieg auf Sieg an Frundsbcrg'sFersen, und schon konnte er in diese Kämpfe in Ober-italien seinen Sohn Caspar einführen, der bereits inseinem 25. Jahre in dem belagerten Pavia die Haupt-mannschaft über ein Fähnlein Knechte erlangte und dem

Vater im Streben nach Feldherrnruhm auf das wackerstenacheiferte.

Bekannt ist, wie Georg von Frundsbcrg auf demReichstag zu Worms im Jahre 1521 Luther nahetrat, ihm zutraulich auf die Achsel klopfte und zu ihmsprach: «Mönchlein, Mönchlein! Du gehst jetzt einenGang, den ich und mancher Oberster auch in unsrerallerernstestcn Schlachtordnung nicht gethan haben. BistDu auf rechter Meinung und Deiner Sache gewiß, sosei getrost und fahre in Gottes Namen fort. Gott wird Dich nicht verlassen!» Eben so ist bekannt, welcheBedeutung Frundsbcrg in der Pavier Schlacht und beider Gefangennehmung König Franz I. gewann, überdie er selbst glaubhaften Bericht erstattete.") Ihmhauptsächlich gebührte die Palme dieses wichtigen Sieges,der lange in deutschen Liedern gefeiert ward. Casparvon Frundsbcrg erwarb sich durch seine Tapferkeitin derselben Schlacht die Stelle eines obersten Haupt-manns. Nach der glorreichen Schlacht im Thiergarteneilte Georg Frundsbcrg nach Deutschland zurück, eintesich mit Georg Truchscß gegen die aufwieglerischenBauern und beschwichtigte den Aufstand in Süddeutsch-land fast ohne Schwertschlag.

Im folgenden Jahre, als Papst Clemens VII. mitKaiser Karl's V. Feinden sich abermals in Bündnißeingelassen, zog auch der unermüdliche Georg v. Frunds-berg wieder nach Italien, wohin nächst dem Kaiser auchsein Sohn, der als Oberster über 10 Fähnlein Fuß-volk in Mailand befehligte, den Vater dringend rief.Georg warb schnell ein Heer, das er aus seinen eigenenMitteln besoldete und zu diesem Zweck selbst seinerGemahlin Geschmeide verkaufte. Unter den Hauptlcuten,welche diesen bedeutenden Kriegszug mitmachten, warauch Konrad von Bemelberg, der kleine Hcß. Trotzeines abermaligen gefährlichen AlpenzugS und trotz allerFeinde drang das deutsche Heer bis Rom vor undmachte den Papst in seiner Engelburg erzittern. Den-noch geschah es, daß Aufruhr und Meuterei wegenmangelnden Soldes, nicht gestatteter Plünderung undsonstiger Verkürzung im eigenen Heere des deutschenFeldherrn ausbrach, und die äußerste Aufregung dentapfern Helden mitten im Ring der Kricgslcnte und inseiner beschwichtigenden Rede durch einen schlagähnlichenAnfall verstummen machte. Schwer krank wurde Frunds-berg nach Ferrara gebracht, von da in die Heimath.In ihrem Friedcnsschoße endete der ruhelose Sohn desKriegs, der Feldzüge, der Belagerungen, Eroberungenund Schlachten, unbercichert, denn er hatte für seinenKaiser und Herrn Hab und Gut zum Opfer darge-bracht. Nur allein die Ausrüstung des letzten Feld-zuges hatte ihm achtzigtausend Gulden gekostet. Dafürließ er den Ruhm eines glänzenden Namens und denunverwelklichcn Lorbeer eines deutschen Heerführerszurück, wie es zu seiner Zeit außer ihm nur wenige,vielleicht keinen zweiten gab.

*) Frundsbcrg's Bericht habe ich wortgetreu in m. Deut-schen Museum für Geschichte, Literatur, Kunst und Alter-thumsforschung, Erster Band, Jena 18-12, abdrucken lassen.

B.