aufgeräumt, neckisch, witzig und jovial war, war erauch weich und mild, im hohen Grade human, genüg-sam und voll der rührendsten Bescheidenheit. Hage-dorn stand als Dichter in einer Zeit, die eS etwasschwerer machte, als die Gegenwart, Dichterlorbcercuzu pflücken und Anerkennung zu finden; da galt es nochden Kampf mit Ungeschmack und Schwulst, mit Gott -schedischcr Gespreiztheit und Bodmerischer Unduldsam-keit. Gern verzichtete der von der Muse beglückteJünger Apoll's auf den Titel eines Gelehrten, dennFachgelehrter war er nicht, wollte er nicht sein undnicht heißen; indeß war Hagedorn äußerst belesen undhatte viele Neigung, diese Vclesenheit in seinen Schriftenkund zu geben. Während andere Dichter es ganz ver-schmähen, sich alles sie anziehende aufzuzeichnen, glichHagedorn darin Jean Paul Friedrich Richter , daß ersich mit Zetteln und Blättern trug und gern das fremdesich geistig aneignete und zu nutze machte. Auch liebteer, mit großer Strenge seine eigenen Poesien zu feilen,und erwarb sich von den geachtetsten Zeitgenossen dasLob besonderer Feinheit des Geschmackes, der Richtig-keit der Sprache und der sittlichen Reinheit des Inhaltesseiner Dichtungen, mit Ausnahme launiger, nur fürengere Freundeskreise bestimmter poetischer Einfälle undGedanken. Bei seinem ersten litcrarischen Auftretenbctheiligtc sich Hagedorn an Zeitschriften; nach derRückkehr von Jena erschienen von ihm «Versuche einigerGedichte oder erlesene Proben poetischer Ncbenstundcn,1729», bei deren Inhalt noch das ringen mit Formund Ausdruck und der noch wenig gehobene Geschmackjener Zeit in den Vorgrund traten. Dieß fühlte wohlder Dichter selbst und schwieg lange, und erst 1738gab er seinen «Versuch in poetischen Fabeln und Er-zählungen» heraus. Die bescheidene Bezeichnung «Ver-
such» charakterisiert den Dichter vollkommen, er fühltesich noch nicht fest und sicher, und dennoch hatte Deutsch-land von keinem seiner neuern Dichter bessere Fabelnerhalten. Den Fabeln ließ Hagedorn eine «Samm-lung» vorher zerstreuter und einzelu gedruckter «neuerOden und Lieder» 17-17 und 1750 «moralische Ge-dichte» folgen, welche 1752 neu ausgelegt mit einemzweiten Buche der Fabeln und mit «Sinngedichten»vermehrt wurden. In diesem Erscheinen seiner Poesienhielt der Dichter demnach genau das Horazische nonumprorrwtur in annum fest. Leider war dem liebens-würdigen und heitern Dichter kein langes Lebenszielgesteckt. Er wurde vom Podagra heimgesucht und vonder Wassersucht befallen, und endete nach alle denLeiden, welche besonders die letztere furchtbare Krank-heit herbeiführt, im 10. Jahre seines Lebens. Nachseinem Tode wurden seine sämmtlichen poetischen Werkeneu aufgelegt, und 1800 gab Joachim Eschenburg die-selben mit deS Dichters Lebensbeschreibung und Cha-rakteristik nebst Auszügen von dessen Briefwechsel in5 Bänden nochmals heraus. Der Beifall, den Hage-dorn als Dichter gesunden hatte, äußerte sich durchAufnahme zahlreicher Poesien von ihm in Sammlungen,Jugcndschriften, Fabel- und Dcclamirbücher, durch Kom-positionen, durch Nebersetzungen in das französische, jasogar in das lateinische; mehrfach auch wurde seinBildniß gestochen.
Auch Hagedorn's Bruder, Christian Ludwig, warKünstler geworden, nur auf einem andern Gebiete;aber er war von gleicher Bescheidenheit wie der Bruder.Er wurde ausübender Kupferstecher und Kunsischrift-stcllcr, und sowohl was er über seine Kunst schrieb,als auch die Erzeugnisse seiner Radiernadel fanden denBeifall der Kenner. Er starb 1780.