Die Gründung der Univcrsitciten Berlin und Breslau .

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kennt man auch unmittelbar, wie die wunderbare Erhebung des soschwer gedemütigten Staates mit Kräften gelang, die schon im18. Jahrhundert gesammelt und geschult waren. Zunächst ist immerder Thatsache zu gedenken, daß der erschöpfte Staat iu den trost-lose,: Tagen nach dem Tilsiter Frieden seine Gedaukeu auf die Be-gründung von zwei neuen Universitäten in Berlin und Breslau richte» konnte. Wäre es nicht verzeihlich gewesen, wenn der Königoder seine Räte derartige Vorschläge auf eine bessere Zeit verwiesenhätten, weil zunächst jeder Gedanke und jedes Gut an die Beschaffungvon Waffen, die Bezahlung der französischen Forderungen, dieLinderung der schreieudeu Not ganzer Städte und Landschaftenzu wenden sei? Aber nicht nur der eine und andere Enthusiasthatte Zeit für diese Pläne, sondern eine große Anzahl von Geschäfts-männern waren in den Jahren »180811 dabei thätig, unterihnen auch Männer, die wie der Geheime Justizrat Schmalz denReformsreuuden sonst entgegenarbeiteten. Man behandelte diese Frage,als wäre tiefer Friede, mit sorgfältiger Erwägung und entschied dabeiauch über die konfessionellen Gegensätze im Geiste der Freiheit. Diereformierte Universität Frankfurt nnd die katholische Leopoldina inBreslau , die beide recht heruntergekommen waren, wurden aufgehobenund in Breslau eine neue Universität gegründet (1811), welche Lehreraller Bekenntnisse zuließ und zusammen mit der im Jahre zuvor er-öffneten Berliner Universität den Charakter der deutscheu Universi-täten im 19. Jahrhundert ausprägte. Das geschah nun in einem sofreien und großen Sinne, daß die Universitäten für deutsche Wissen-schaft und deutsches Leben in unserem Jahrhundert eine Bedeutunggewannen, wie nie zuvor. Als am 10. August 1807 Professoren dervon den Franzosen besetzten Universität Halle Friedrich Wilhelm III.um Verlegung der Universität in eine preußisch gebliebene Provinzbaten, da sprach er:Der Staat muß durch geistige Kräfte ersetzen,was er an physischen verloren hat". Es war vier Wochen nach derUnterzeichnung des Tilsiter Friedens, in Memel , in den engsten unddrückendsten Verhältnissen, daß der König dies stolze Wort wagte,das recht eigentlich als der Grundgedanke nnd Leitstern der ganzenReform zu bezeichnen ist. Zu keiner Zeit hat sich der König sosehr dem Geiste der Reformer genähert, als damals in Königsberg