Stein. Die Kabinettsräte. Die ReichSständc.
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dazu kam nun noch vieles Ähnliche, so die Verhandlungen, wieman die Prüfung der Schnlamtskaudidaten einrichten müsse, umdie Austeilung unfähiger Lehrer zu hindern, ohne doch die Patronats-rechte der Städte zu beseitigen, die Versuche zur Hebuug der Uni-versität Königsberg, die Thatsache, daß Herren und Damen desHofes sich mit der Königsberger Gesellschaft eifrig zusammenfanden,um Süverns Vorträge über ältere deutsche Geschichte zu hören, unddaß die Königin Luise eine Abschrift erbat.
In dieser stillen Thätigkeit fand die leidenschaftliche Erregungder Zeit, die nach dem Kampfe verlangte und sich doch geduldenmußte, Beruhigung, fand man die Kraft, selbst den Zwiespalt zuüberwinden, der sich in den unklaren Verhältnissen unter so starkenund heftigen Naturen wie Stein, Jork , Schön oftmals zur maß-losen Erbitterung steigerte.
Die allgemeine Verfassung des Landes.
Preußens Verfassung war das absolute Königtum. Mit Rechtrühmte man, daß die Könige dieses Recht als schwere Pflicht ver-standen und übten, daß sie es sich selbst verboten hatten, in dengeordneten Rechtsgang einzugreifen, und daß auch soust in Gesetzen,Verordnungen und Überlieferungen wesentliche Schranken gegen denMißbrauch der königlichen Gewalt aufgerichtet wareu. Indes hingdoch schließlich alles von dem Willen des Herrschers ab, nnd man er-kannte gerade in den der Regierung nahestehenden Kreisen, daß demKönige mehr aufgebürdet sei, als ein Mensch tragen könne. Nachzwei Seiten forderte deshalb Stein eine Änderung: er verlangteeine andere Stellung der Minister zum Könige nnd eine rechtlichgeordnete Teilnahme von Vertretern des Volkes an der Gesetzgebung.Stein forderte das nicht um einer Doktrin willen, sondern umMißbräuche zu beseitigen, von denen er vielfältige Erfahrung hatte,und um die im Volke lebendigen Kräfte dem Staate dienstbar zumachen. Nur unter schweren Kämpfen setzte er durch, daß dieMinister des Königs von der Nebenregiernng der Kabinettsräte be-freit wurden, die sich seit dem Tode Friedrichs II. in der Weiseausgebildet hatte, daß Räte von verhältnismäßig untergeordneterStellung die Entschlüsse des Königs entscheidend beeinflußten, ohne
Kaufmann, poltt, Geschichte. 5