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Reform und Restaurntivn,

vor 1848 49 auch davon nicht oder nur vorübergehend er-griffen.

Die Welt war verteilt. England hatte den großen Raub inSicherheit gebracht, den es während der napoleonischen Zeit machendurfte, Frankreich hatte ehemals deutsche Gebiete behalten, welche diedeutschen Patrioten 181315 laut zurückgefordert hatten, nament-lich Straßburg mit dem Elsaß; und Frankreich bewahrte sie un-gestört, verstand sie jetzt erst vollständig mit sich zu verschmelzen.Man gewöhnte sich nun in Deutschland , sie als verloren zu be-trachten, und es bedürfte der gewaltigen Erschütterungen uud Siegevon 1870, um den Gedanken der Wiedervereinigung wachzurufen.

Schwer waren die deutschen Interessen auch bei der Bildung desKönigreichs der Niederlande verletzt worden, und der schwache Staat,der so geschaffen war, durfte es überdies noch wagen, unsere Nhein-schiffahrt in der rücksichtslosesten Weise zu belästigen. Die Zoll-stätten, die es an den Mündungen des Rheins errichtete, der nachden Wiener Verträgen dem Handel zollfreie Fahrt bieten sollte,rechtfertigte Holland mit der Behauptung, daß diese Mündungennicht mehr der Rhein wären, uud wies die wiederholten Mahnungenund Forderungen Preußens, dessen rheinische Gebiete dadurch em-pfindlich getroffen wurden, mit beleidigender Dreistigkeit zurück.Der Bund kümmerte sich nicht darum, und Holland rechnete aufdie Mißgunst der anderen Großmächte gegen Preußen und ans dieLangmut des Königs Friedrich Wilhelms III., der ja der Schwagerdes Königs von Holland war. Gleichviel aber welche Motive in Berlin ein kräftigeres Auftreten und jeden Gedanken an eine militärischeDrohung verhinderten: Thatsache ist, daß Prenßen diese beschämendenVerhandlungen lange Jahre hindurch erfolglos führte und schließ-lich uur durch das die eigenen Lande erheblich belästigende Mitteleiner Erneuerung des Kölner Rheinstapels zum Ziele kam. DieseMaßregel wurde Holland auf die Dauer zu lästig, und da bequemtees sich endlich zu der Rheinschiffahrtsakte vom 31. März 1831,welche die Bestimmung der Wiener Verträge über die Freiheit derRheinschiffahrt endlich znr Wahrheit machte. Der ärgerliche Handelhatte vor aller Welt kund gemacht, daß der Deutsche Bund deutscheInteressen nicht vertrete, und daß Preußen sich viel gefallen lasse.