Görres. Der Rheinische Nierkur.

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dorf, Stolberg , Brentano, Grimm vereinigte Görres hier zumKampfe für das, was das deutsche Volk von dem Siege überNapoleon erhoffte, für ein deutsches Vaterland und für eiue Neu-bildung der Staaten etwa im Sinne der Stein-HardenbergischenReform. Die Genossen des Rheinischen Merkur bildeten keiuepolitische Partei; über viele wichtige Fragen gingen ihre Gedankenauseinander, und vieles war unklar und unbestimmt in ihren Ge-danken. Es konnte das auch uicht auders seiu, schon weil derWeg sich nicht finden ließ, Österreich und Prenßeu iu eiuem wirk-lichen Staate zu vereinigen. Aber trotzdem ist kaum je wieder eineZeitung in Deutschland geschrieben worden, die eine solche Füllevon Geist und Liebe, von Tiefe und Kraft vereinigte und weckte.Gneisenan und Grüner nnd die Gebrüder Sack, der General-kommissar und der Oberpräsident, also die obersten Behörden inden Rheiulanden, schützten und stützten den Herausgeber, uud ebeudadurch besonders luden sie den Zorn der Gegner auf sich. DaßFriedrich Wilhelm III. sich bewegen ließ, die Zeitung 1816 znverbieten, bildete einen Markstein im Hiegeszuge der Reaktion,und es ist nicht zufällig, daß es das gleiche Jahr war, in dem derKönig durch die sogenannte Deklaration die Agrarreform verstüm-melte und die seinem Schutze vertrauendeu kleinen Bauern derUnterdrückung der Großgrundbesitzer auslieferte.

Die Sprache des Blattes war allerdings oft recht scharf.

Ihr seid von Gottes Gnaden,Wir nicht von Gottes Zorn!

rief ein Dichter bereits im Sommer 1814 im Rheinischen Merkur

den Fürsten zu, und Clemens Brentano schlug in einem Liede vom

Juli 1815 auf den Tod des im Freiheitskampf gefallenen Grafen

Stolberg noch schärfere Tonart an:

So ihr den Sieg nicht ehret,

Den solches Blut erkauft.. .

Dann sterbt für Volkes Thaten,

Die ihr am Wappen tragt,

Den Tod der Diplomaten,

Die um verhalt'nen Lohn solch Blut verklagt.

Görres selbst pries die Verdienste Preußens nm den Freiheits-kampf und die Weckuug des nationalen Geistes mit aller Kraft.