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Die Entwicklung der Einzelstaaten 18151840.

den größten Teil der mit seinen hohen Würden verbundenen Ein-nahmen verzichtete, obschon er Kinder hatte und kein großes Ver-mögen besaß. Man berechnete, daß er dem Staate so im ganzenetwa 200 000 Thaler geschenkt habe. Nach noch nicht zehnjährigerArbeit war das Werk geglückt und die Ordnung der Finanzen her-gestellt. Schon seit 1825 überstiegen die Einnahmen erheblich dieAusgaben und 1828 stauden die Staatspapiere dem Nennwert gleich.

Aber mit welchen Entbehrungen war das erkauft! Am Volks-schnlwesen und am Heere tritt das vielleicht am härtesten hervvr.Überlang, bis zu zwanzig und mehr Jahren mußten die unglücklichenOffiziere aus die bescheidenste Beförderung warten, und das war nichtnur ein persönliches Mißgeschick, sondern anch eine Gesahr sür dasHeer. Dazu kamen andere Schäden, und in den vierziger Jahrenbegegnen bedenkliche Zustünde, die zum Teil wenigstens als eineFolge dieses übertriebenen Sparsystems zu erklären sind. Aberdie Hauptsache wurde doch festgehalten, der Grundsatz der All-gemeinen Wehrpflicht gemäß dem Wchrgesetz von 1814. Nebendem Kriegsminister von Boyen gebührt dafür dem reichbegabtenund ebenso klugen wie selbstlosen Generaladjutanten von Witzlebender größte Dank, der zwanzig Jahre hindurch, 181737, Ches desMilitärkabinetts war, 183337 auch das Kriegsministerium leitetenud das Vertrauen des Königs wie kein anderer besaß. Gerade weiler sich und im übrigen den politischen Kämpfen fern hielt, machtees den stärksten Eindruck ans den König, daß Witzleben mit allerBestimmtheit für die Heeresverfassung von 1814 und sür die Voll-endung der Stein-Hardenbergischen Resvrmen eintrat. Unter Witz-lebeno Einfluß widerstand der König den Angriffen, die die Reak-tionäre unter Führung des Herzogs Karl von Mecklenburg , desBruders der Königin ^uise, wiederholt gegen dieses Gesetz richteten,worin sie ganz richtig den Geist der Steinschen Reform vorzugs-weise verkörpert saheu.

Indes hätte alle Sparsamkeit wenig geholfen, wenn es nichtzugleich geglückt wäre, das Steuersystem in geeigneter Weise zuregeln. Das geschah allerdings nicht nach einem großen Ge-danken nnd nicht von einem schöpserischen Geiste, sondern durchden Beruüttlungsvorschlag der Klassensteuer, die ein Mittelding