206 Die Entwicklung der Einzelstaaten 18161840.

ordentlicherweise für Chausseebauten ausgegeben, wohl zumeist fürdie Straßen, die durch die Zollverträge notwendig geworden waren.Die Zahl der Gymnasien betrug 1840 113 mit sast 22 000 Schülernund 1500 Lehrern. Der Schulzwang wurde kräftig durchgeführt,und in der Provinz Sachsen besuchten von 100 schulpflichtigenKindern 9394 auch wirklich die Schule. In einigen östlichenRegierungsbezirken, wie Bromberg, und auch in den westlichen Be-zirken Aachen, Köln und Düsseldorf gelang die Durchführung desSchulzwanges weit unvollkommener als in den anderen, namentlichweniger als in der Provinz Sachsen . Die katholische Konfession,die gedrückte Lage der unteren Schichten und die üble Sparsamkeitder Verwaltung vereinigten sich, um Hindernisse zu bereiten. Soviel man aber auch im Volksschulwesen anders wünschen mochte,im ganzen konnte Preußen den Vergleich mit den anderen Staatenanch auf diesem Gebiet aushalten.

Industrie, Handel und Verkehr wurden mehrfach durch bureau-kratische Engherzigkeit gehemmt, aber für die Reform der Zoll-verhältnisse gelangten in Preußen .eine Anzahl ungewöhnlich kühnernnd weitsichtiger Beamten an den rechten Platz; was der Ministervon Bülow und was namentlich Maassen, Kunth und Motz 1818bis 1834 hier geleistet haben, gehört zu dem Größten und Be-deutendsten, was irgendwo auf diesem Gebiete geschehen ist.

Das Gebiet Prenßens war in zwei ungleiche Hälften zerspalten,zwischen denen keine Verbindung bestand. Die Grenzen waren über-mäßig ausgedehnt, allerlei Splitter fremden Besitzes verlängertensie, und endlich war der wirtschaftliche Zustand in den östlichenLanden wesentlich verschieden von dem der westlichen. Es war des-halb ein Gedanke von ungewöhnlicher Kühnheit, dieses Gebiet alsein einheitliches Zollgebiet aufzufassen und zu ordnen. Der Ge-danke berührte aber keineswegs nur das Zoll- und Steuerwesen;er ist vielleicht auch nicht einmal hier, oder doch nicht allein hierentsprungen, sondern zugleich aus dem Bedürfnis, die Realunionder ursprünglich nur durch die Persoualunion vereinigten Gebietezu vollenden, unter den verschiedenartigen Bestandteilen eine festeund greifbare Verbindung herzustellen, aus den einzelnen Stückenein wahrhaftes Staatsgebiet zu schaffen. Wollte man aber diese