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Die Bildung der Parteien.
Es war eine geistig und sittlich hochstehende Schar, die injenen Jahrzehnten für eine Reform der deutschen Zustände stritt,und es bedeutet deshalb uicht wenig, wenn man Karl von Notteckals den Mann bezeichnen muß, der bis 1840 der einflußreichsteFührer in diesen Kämpfen gewesen ist. Seine historischen undpolitischen Schriften sind hente mehr oder weniger vergessen, dennder Ruhm der Gelehrten und Publizisten vergeht schnell. DerGeneration von 1820—40 galten sie aber vielleicht mehr, als heutegroßen Kreisen TreitschkeS Schriften, und im ganzen ist die Poli-tische Wirksamkeit Rvttecks sehr bedeutend gewesen. Dahlinann, derihn in gewisser Weise ablöste, war in seinem Wesen uud seinerGelehrsamkeit von gewichtigerem Gehalt, aber sein Einfluß war nieso groß wie lange Zeit der Rottecks. An ehrlichem Willen aberund an Liebe zu seinem Volke stand Notteck niemandem nach, aucheinem Dahlinann nicht.
Notteck war in Freiburg i. Br. als Sohu eines Professorsder Medizin geboren, wnrde hier mit 23 Jahren selbst Professorund machte durch seiue politische Thätigkeit und durch seine SchriftenFreiburg und die badischen Verhältnisse zum Mittelpunkte eiuerdurch ganz Deutschland hinwirkenden Bewegung. Auch als Menschgenoß Notteck große Verehrung, und seit ihm durch einen Gewalt-akt des Bundestages 1832 ohne Angabe eines Grundes die Aus-übung seines Lehramtes au der Universität Freiburg untersagt wvrdeuwar, umschwebte ihn auch der Glorienschein des Märtyrers undgab seinen Worten doppelte Krast. Wie dem alten Arndt, so wnrdeanch ihm im Jahre 1840 das Amt zurückgegeben, er war aberunterdes 65 Jahre alt gelvordeu und starb noch iu demselben Jahre.
Notteck erinnert in vieler Beziehung an Arndt, repräsentiertaber eine andere Grnppe deutscher Bildung. Notteck war aufkatholischem Boden erwachsen, seine Ausklärung war josesiuisch,während Arudt Protestnut war. Der Dogmen waren beide ledig,aber der Gegensatz der Natur ihres religiösen Empfindens undihrer kirchlicheu Wünsche tritt darum uicht weniger stark hervor.Notteck war seruer Jurist, Arudt ursprünglich Theologe, Notteckwar mehr dogmatisch gerichtet, Arndt mehr poetisch gestimmt, abermit gleichem Eifer wendeten sich dann beide dem Studium der