Die Kaiserpartei bleibt fest.
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Regierungen zwingen werde. Und noch höher ist vielleicht zurühmen, wie klar und wie gefaßt Beseler am 4. Mai sprach.Dringend warnte er vor dem Versuche, der Nationalversammlungselbst das Regiment in die Hand zu spielen: die Versammlungmüsse sich an die bestehenden Gewalten anlehnen. Sollte aberauch — was er nicht hoffe und erwarte — das Ziel jetzt nichterreicht werden, so werde doch die Verfassung der Nation als un-antastbares Eigentum hinterbleibeu, und die Nation werde zu ihrerZeit das Ziel sicher erreichen.
Auch fehlte es nicht an erfreulichen Vorgängen, die diesenGlauben stärkten. An einem Tage (19. April) konnte der Präsi-dent Adressen von den Landständen vier verschiedener Staatenmitteilen, in denen den: Parlament in begeisterten Worten derDank für den Beschluß vom 11. April ausgesprochen wurde, trotzder Ablehnung des Königs von Preußen an der Verfassungfestzuhalten. Am 25. April teilte der Reichskriegsminister mit,daß Württembergische Truppen, die aus Befehl des PrinzenFriedrich von Württemberg die ihnen vom Reichsnnnisterium an-gewiesene Stellung verlassen hatten, ans Befehl des Reichsministersin die Stellung zurückgegangen seien. Die WürttembergischenTruppen standen also zur Verfügung der Reichsgewalt. DerKönig von Württemberg hatte mit Lebhaftigkeit erklärt, er wolledie Reichsverfassung anerkennen, aber einem Zoller könne er sichnicht unterwerfen. „Ich bin dies meinem Lande, meiner Familieund mir selbst schuldig." Dafür mußte er im Parlament diebitterste Kritik über sich ergehen lassen. „Diese Worte," sagteKarl Vogt am 24. April, „sind der Ausfluß jenes Gottesgnaden-tnms, welches in Selbstüberschätzung sich nicht daran erinnert, das;die Krone ihm und seiner Familie von einem Sprößlinge derVolkssonveränität, nämlich von Napoleon , aufs Haupt gedrücktwurde."
Während in Frankfurt so gesprochen wurde, hatte der Königvon Württemberg schon dem Willen seines Landtags uud seinesMinisteriums (Römer) weichen müssen. Am 25. April ließ erder Kammer mitteilen, daß er die Reichsverfassung annehme, undzwar mit Einschluß des Kapitels über das Reichsoberhaupt. Ja,
Kaufmann, polit. Geschichte. '24