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ließ. Preußen hatte den Antrag des Königs am Bunde unterstützt,und sein Vertreter Bismarck hatte dabei noch besondern persön-lichen Eifer entwickelt. Bismarck that das nicht aus Vorliebe fürGeorg V. und seine reaktionäre Politik, sondern in der Berechnung,daß dadurch iu Hannover Schwierigkeiten entstehen würden, dieden vielfach unbequemen und die österreichische Partei unterstützen-den Nachbar schwächen und für Preußen weniger lästig machenmüßten. Seine Berechnung hat sich als richtig erwiesen und zwarin weit höherem Grade, als er ahnen konnte; denn nun begann inHannover ein Regiment des Unrechts und der Gewalt, das mehrals alles andere die Katastrophe von 1866 vorbereitet hat.
Durch Verordnung vom 1. August 1855 beseitigte oder änderteKönig Georg eine Reihe von Bestimmungen der Verfassung, unter-drückte alle Proteste mit Gewalt und setzte die Umgestaltung derVerfassung durch sogenannte Notgesetze und ähnliche Maßregelnsort. Nach lebhaften Kämpfen gegen die Willkürgesetze und umdie Erhöhung und Umgestaltung der Krondotation, die die Stelleder Civilliste des Königs vertrat, wnrden die Stände am 7. Sep-tember 1856 aufgelöst, am gleichen Tage die streitigen Budget-fragen durch willkürliche Verordnungen der Regierung erledigt unddann bei den Neuwahlen ein Druck ausgeübt, der selbst die be-rüchtigten Vorgänge nach der Katastrophe von 1837 übertraf. Mitden so zusammengebrachten Ständen setzte die Regierung ihre Plänedurch. Die Mäuner, die sich dazu gebraucheu ließen, wurden vonden Regierungsorganen als Retter des Staates gepriesen und be-lohut, aber das Volk dachte auders. Der Anhang, den sich dieRegierung mit solchen Mitteln verschaffte, sah sich der Verachtungpreisgegeben, wie das selbst der mit Beweisen königlicher Gunstüberhäufte und lange Zeit allmächtig scheinende Generalpolizei-direktor der Hauptstadt Wermuth erfahren mußte. Mehrere derbesten Männer des Adels sind damals für den bedrohten Nechts-zustand eingetreten, aber im ganzen zeigte sich wieder, daß der Adelkeine wirkliche, iu sich gefestete Aristokratie, sonderu ein begehrlicherHofadel war. Auch Beamte und Geistliche ließen sich als Werk-zeuge der Gewalt gebraucheu, doch fehlte es auch nicht an Aus-nahmen, und die Universität Göttingen erntete damals wieder den