Krisis des Zollvereins.
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zu beraten. Aber sie konnteil sich nicht zu entschiedenen Schritteneinigen. Zu lebhaft empfanden sie die Gefahr, der sie den Handelund die Industrie ihrer Läuder aussetzen wnrdeu, wenn sie sichvom Zollverein lösten. Und schließlich wurden sie noch durch dieNachricht von dem plötzlichen Tode des Fürsten Schwarzenberg erschreckt, des eigentlichen Trägers der Politik, der sie in diesenBeratungen folgten.
Der preußische Bundestagsgesandte bekämpste diese von denösterreichischen Parteigängern, von der ultramontanen Presse unddann von einer Reihe von Zeitnngen, die im österreichischen Soldestanden, getragene Agitation mit großem Geschick, uud sah sichdabei wiederum veranlaßt mit den Kreisen des gebildeten Bürger-tums, den Industriellen und den Kaufleuten in Verbindung zntreten. Bismarck hat dabei auch den Widerstand dieser Kreisegegen die von österreichischen Einflüssen beherrschten Höfe, die fürdiese Fragen meist kein Interesse und kein Verständnis hatten, or-ganisiert. Gleichzeitig gewann er durch seiue Berichte das preußischeMinisterium und die einflußreichen Persönlichkeiten der Umgebungdes Königs sür die richtige Auffassung der Lage und bestärkte siein der energischen Durchführung der notwendigen Entschlüsse. Sodeckte er in einem Berichte vom 22. November 1851 über die Ver-suche Österreichs , deu Herzog von Nassau zu gewinnen, den ganzenZusammenhang dieser Aigitation auf.
Sowohl von Herrn Hock seinem österreichischen Nationalökonomen, der mitdieser Agitation betraut war), als von dem Fürsten Schwarzcnberg direkt werdenanhaltend Versuche gemacht, den Herzog für den Plan eines gesondertensüddeutschen Zollvereins zu gewinnen. Man hat Sr. Königlichen Hoheitvorgespiegelt, daß die Hofe von München, Stuttgart, Karlsruhe, Darmstadt und Kassel für den Plan bereits gewonnen seien, Nassau würde demnachdas Grenzland bilden; es frage sich nur, ob es durch die Zollgrenze vonPreußen, oder von Frankfurt und Hessen getrennt sein wolle. Der Zoll-verein, wie ihn Preußen beabsichtige, sei nur ein Deckmantel für die erneutenUnivnsbestrebuugen, deren letztes und leicht erreichbares Ziel notwendig dieMcdiatisierung der kleineren, an demselben pnrtizivierenden Fürsten sei.Se. Hoheit der Herzog ist diesen Bemühungen zugänglich gewesen und Herrv. Wintzingerodc klagt sehr über das Schwierige seiner Stellung, indem derHerzog ganz von seiner persönlichen Umgebung, namentlich von Herrnv. Dungern, dessen Söhne und sonstigen Verwandten in österreichischen Dienstensind, geleitet wird. Mit einigen Fabrikanten in Nassau hat sich Hock gleich-