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Die Reaktion von 1850—1858, im besonderen in Prenßcn.
Die Erzählung klingt zunächst ganz unglaublich. Der Prinzvon Preußen hielt ja zu der liberaleren Wochenblattpartei underöffnete dann 1858 als Regent die neue Ära, die allen Nachdruckauf die Verfassung legte: und er soll 1857 in Voraussicht seinesRegierungsantritts eiuen Akt geplant haben, der doch nichts andereswar als ein Bruch der Verfassung? Aber bei näherer Betrachtungschwinden diese Zweifel und die Sache ist nur ein neuer Beleg fürdie Begriffsverwirrung, die in jenen Jahren herrschte, nnd für dieZähigkeit, mit der die Traditionen des Absolutismus alle banden,die darin aufgewachsen waren, auch den Prinzen von Preußen.
Der Prinz war Gegner der Reaktion, aber weniger ans poli-tischen Gründen, als aus der Empörung des ehrlichen Mannes überdie Rechtswidrigsten und über die Schmach von Olmütz . Die be-stehende Verfassung hatte an sich seinen Beisall nicht. Noch 1852hat er sie und weiter jede Form des Konstitutionalisiuus eine Farcegenannt, deren baldige Beseitigung zu wünschen sei, und eine inder Art des Vereinigten Landtags gebildete Volksvertretung sür dieeinzig zulässige erklärt. Damit stimmt eine andere Äußerung ausdem folgenden Jahre überein, in der er es für „odiös" erklärte, daßdas Landrecht die Offiziere als Staatsbeamte bezeichne; das sei mitdem Hinweis auf den Fahneneid für den Kriegsherrn abzufertigen.Es war ihm offeubar nicht deutlich, daß der König den Eid derOffiziere als Vertreter des Staates empfängt; es klangen noch immerdie Ideen in ihm nach, die den König als eine Art Gefolgsherrnerscheinen ließen. Erst in den Kämpfen der Bismarckschen Periodeist König Wilhelm, der wie sein großer Kanzler bis in das höchsteAlter hinzuzulernen und umzulernen verstand, zu der tieferen undhöheren Auffassung vom Staate und vom Königtum durchgedrungen.
Der Prinz wurde zunächst des Zweifels überhoben, da derKönig nicht starb. So siel ihm nicht die Krone zu, sondern nurdie Stellvertretung, die ihm durch ein Schreiben des Königs vom23. Oktober 1357 auf drei Monate übertragen wurde, und die ihmnach der herrschenden Auffassung nicht einmal gestattete, die Ministerzu entlassen, zu denen er in ausgesprochenem Gegensatze stand.
Es zeigte sich bald, daß des Königs Krankheit keine Hoffnungauf dauernde Wiederkehr geistiger Gesundheit gestatte, und es hätte