Manteuffel. Vincke. Harkort.

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Wertloses preisgegeben, züchtigte ihn der Führer der Opposition,der Freiherr von Vincke, auf das bitterste:

Diese eidestreuen Beamten, abwesend, unglücklich, durch militärische Machtselbst der Möglichkeit der Verteidigung beraubt, wurden geschmäht vou einempreußischen Minister, der selbst einen Eid auf die Verfassung seines Landesgeleistet hat. Sie wurden geschmäht, weil sie, statt zur gesetzlosen Gewaltzu greifen, sich einfach darauf beschränkt haben, das zu verweigern, was siemit ihrem Gewissen, mit ihrem Eide und ihrer Überzeugung nicht in Ein-klang zu bringen vermochten. Dieses Wort, der Spiegel dieser Gesinnung,die Beamtenrevolution in Schlafrock und Pantoffeln", wird von Generationzu Generation überliefert werden, solange es noch deutsche Geschichte, solangees noch einen ehrenwerten deutschen Beamtenstand giebt.

Zur Verteidigung der Gemeindeordnuug schrieb Harkvrt 1852einen zweiten Bürger- und Bauerubrief, der dem Volke schilderte,wie weit die Junker ihre Gewalt schon jetzt zu mißbrauchen wagten.Da erzählt er unter anderem, wie er in Schlesien einen Bekanntenbesuchte, den Inspektor eines gräflichen Gntes. Dem hatte derGraf verboten, seine Söhne auf eine bessere Schule zu schickeu,oder seiner Frau ein besseres Kleid zu kaufen, oder einen Gastlänger als drei Tage bei sich zu beherbergen.Da stieg mir dasBlut zu Kopfe, und ich rief: Mas? ist das derselbe Graf, welcher1848 unter den Linden einen Frennd bat, ihn ums Himmelswillennur Bürger zu nennen?"' Als Gegenstück dient eine andere Er-zählung von einer westfälischen Gemeinde, die zeigen soll, wiegrundlos das Geschrei der Junker sei, daß die neue Gemeinde-ordnung vom 11. März 1850 nicht zu brauchen sei.

Der Landrat, ein Graf, der für seinen König in mancher Schlacht mitEhren zu Pferde saß, ist an die Erde gewachsen und läßt sich nicht vonPontius nach Pilatus schicken, wie mancherGutgesinnte", der nur eineHutschachtel und einen Mantelsack zu tragen hat. Genug, dieser Landrathat die neue Gemeindeordnung eingeführt; ob ihm der Minister dafür ge-dankt hat, davon stand bis heute nichts im Wochenblatt. Welchen Mannwählten nun die Banern zum Vorsteher? Antwort: einen Baron, der eben-falls Land und Sand besitzt in der Gemeinde und ein warnies Herz hatnicht sür seine Unterthanen, sondern für feine Mitbürger. . . . Grundsteuerund Gemeindelasten trägt dieser Edelmann nach Verhältnis des Besitzes undsein Ansehn beruht nicht auf dem Schnurrbart uud den drei Buchstaben,sondern auf seiner größern Bildung und Uneigennützigkeit.

Ein anderer Landrat erzählt ihm, daß in allen Gemeindenseines Kreises die Gemeindeordnuug durchgeführt sei, und es gehe