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Regentschaft und Ansänge König Wilhelms I.

auf Goethe in Deutschland herrschende Liebe zu Italien wnrdeeine politische Macht.

Für den Prinzregenten war jedoch alles das nicht vorhanden:er konnte sich von den legitimistischen Traditionen nicht lösen, diejene Erhebung nur als frevelhafte Empörung behandelten, und erbot die Hand zu einer Art Versuch, die Heilige Allianz mit Ruß-land und Österreich zu erneuen; freilich ohne daß etwas er-reicht wurde. Schriftlich und mündlich hat er über die gesamteLage damals sehr eingehend mit dem Herzog von Koburg ver-handelt, der ihn zu einer entschlosseneren Haltung in der deutscheuwie in der auswärtigen Politik zu drängen suchte und mit rich-tigem Blick den Satz aufstellte, daß der Regent den Widerstandder Volksvertretung gegen die Militärreform erst brechen werde,wenn er durch eine nationale Politik das aufsteigende Mißtrauen desVolkes gegen die Aufrichtigkeit seiner Haltung überwunden hätte.Aber der Herzog hatte nicht das Wesen, um in so wichtigen FragenEinflnß zu üben: er verfiel leicht in ein selbstgefälliges Räsonne-meut, dessen Oberflächlichkeit dem nicht entgehen konnte, der mitdem Gefühl der Verantwortlichkeit Entscheidungen zu treffen hatte.

Die italienische Bewegung machte im Laufe des Jahres 1360Fortschritte, die ganz Europa in Aufregung versetzten. Napoleonhinderte die im offenkundigen Widerspruch mit den Bestimmungenvon Villafranca erfolgten Annexionen in Mittelitalien nicht,weil ihm Viktor Emannel Savoyen und Nizza abtrat: er über-nahm vielmehr dnrch diesen Akt die moralische Verantwortungdafür.Ng,in,t,öng.nt>, uous somirws coraxlioes, n'sst, il xas vrai,Baron?" sagte Cavonr zu dem französischen Bevollmächtigten beimAbschluß des Vertrags am 24. März 1860. Im Frühjahr 1860zeigte sich ferner schon, daß auch die beiden letzten Herrschaftenalteil Stils, der Kirchenstaat und das Königreich Neapel undSizilien, von der nationalen Bewegung ergriffen werden würden.Es fragte sich nur, ob hier die republikanische Partei der Mazzi-nisten das Werk vollbringen werde oder die monarchische, die denAnschluß ail das Königreich Sardinien erstrebte. Viktor Emanneluud sein großer Minister ließen im Herbst ihre Truppen in denKirchenstaat uud weiter nach Neapel vordringen, nachdem Gari-