Die Zusammenkunft in Baden-Baden .

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Patente erließ, die Österreich in die Reihe der konstitutionellenStaaten einführten und Ungarn Befriedigung seiner Ansprüchezusagten.

Glücklicher war die Haltung des Regenten, als im Sommer1860 Kaiser Napoleon eine Zusammenkunft mit ihm wünschte.Napoleon hatte das Bedürfnis einer solchen Annäherung, um dieUnruhe zu beschwichtigen, die seine Annexion von Savoyen undNizza hervorgerufen hatte, denn alle Nachbarstaaten fürchteten, vonähnlichen Wünschen bedrängt zu werden. Zugleich hoffte er Ge-legenheit zn finden, seine Hand in das Chaos der deutschen An-gelegenheiten zu mischen und zn thnn, was in keiner Weise zubeabsichtigen er die Deutschen versichern wollte. Er teilte dieAnsicht, daß Preußen durch die Verhältnisse dahin gedrängt werde,sein Gebiet und seine Machtbefugnis auf Kosten der kleinerenStaaten auszudehnen. Bei Freund und Feind war davon die Rede,und man fürchtete, Preußen werde sich dabei im Notfall ähnlichwie Sardinien auch der Hilfe Frankreichs bedienen. Der König vonBayern scheute sich nicht, auch mit dem Redakteur der AugsburgerAllgemeinen Zeitung die Frage zn erörtern, ob Preußen das Rhein-land preisgeben werde. Die französische Presse verstärkte diese Be-sorgnis, indem sie Deutschland zu Guusten Preußens znrechtschnitt,als ob sie über Deutschland wie über herrenloses Gut zu verfügenhätte". Der Regent hatte solche Gedanken wiederholt und mitdrastischer Entrüstung zurückgewiesen; als er nun im Sommer 1860die Zusammenkunft mit Napoleon nicht ablehnen konnte, trug erVorsorge, daß daraus nicht ein Verdacht entstehen könne, alswerde er sich mit Napoleon über ehrgeizige Pläne vereinigen. Erhatte ausbedungen, daß der Großherzog von Baden und die be-nachbarten Fürsten von Bayern, Württemberg und Darmstadt zugleich mit Napoleon nach Baden-Baden kommen sollten, undfreute sich, als auch noch andere Fürsten sich beteiligten, vor allenauch die Könige von Sachsen und Hannover .

Die Zusammenkunft fand vom 16. bis 18. Juni statt undbildete eins der merkwürdigsten Ereignisse dieser erwartungsvollenZeit, obwohl keinerlei Abreden getroffen wurden, sondern allessich auf deu Austausch von Höflichkeiten und auf unverbindliche