I. Kapitel. Die Entstehung des Geldes. § 3.
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und Gewicht und gleichzeitig als gemeinschaftlicher Ausdruck für Aus-dehnungs- und Gewichtsgrößen dienen, während das Geld nur als ge-meinsamer Wertausdruck fungiert, zu einer Wertermittelung jedochnicht fähig ist. i) Aber auch der Begriff des Wertmessers in diesembeschränkten Sinn war der Zeit, in welcher das Geld erst im Entstehenwar, noch gänzlich fremd.
Wie sich aus dem Vorstellungskreise des Naturmenschen heraus derkomplizierte Vorgang des Gleichsetzens von Werten gebildet und immerfeiner entwickelt hat, davon ist auf Grund verhältnismäßig spärlicherAnhaltspunkte wenigstens in ganz groben Zügen eine Anschauungmöglich. Wenn uns berichtet wird, daß die Eingeborenen des Bismarck-archipels im Tauschhandel schnurweise aufgereihte Kaurimuscheln, diesie Dewarra nennen, nach ihrer Länge verwenden, in der Weise, daßsie für Fische dieselbe Länge in Dewarra geben, wie die Fische selbstlang sind; wenn man auch in anderen Gebieten der Erscheinung be-gegnet, daß das gleiche Maß zweier Dinge als wertgleich gilt, ein MaßGetreide z. B. als wertgleich mit demselben Maß von Kaurimuscheln"'),— so haben wir hiermit die primitivste Stufe der Wertgleichsetzung,eine Stufe, auf, der die Wertgleichheit noch durch die quantitativeGleichheit gegeben erscheint, und der gegenüber eine „Wertvergleichung,die nicht auf quantitative Kongruenz hinausläuft, einen höheren geistigenProzeß darstellt".
Was nun diese sich über die bloßen Quantitätsvorstellungen er-hebende Wertvergleichung anlangt, so ist es auf Grund neuererForschungen, namentlich von Ridgeway 3 ), überaus wahrscheinlich, daßsich auf primitiver Kulturstufe zwischen allen Gegenständen, welchefreies Eigentum und mithin tauschbar geworden waren, konventio-nelle Wertverhältnisse ausgebildet haben, die als Normen für denTauschverkehr galten, und die offenbar nur ganz langsamen Ver-änderungen unterlagen Beobachtungen, die bei jetzt noch halbwildenVölkerschaften gemacht worden sind, bestätigen diese Annahme. Sogalt im alten Griechenland und in Irland ein männlicher Sklave gleichdrei Kühen, und so bestehen heute noch bei zahlreichen halbwildenVölkerschaften Afrikas und der Südsee interessante Wertskalen, dieaus den wichtigsten Tauschgütern gebildet sind. Ridgeway und Schttetzgeben eine ganze Anzahl von Beispielen. Letzterer gibt z. B. nachMollien (Reise nach dem Innern von Afrika ) für Bondu im westlichenSudan folgende Werttabelle:
1) Vgl. hierzu die näheren Ausführungen unten im II. Buch, Kapitel 3, § 5.
2) Vgl. Simme'l, Philosophie des Geldes. 1900. S. 104} Schttrtz, Grandriß einerEntstehungsgeschichte des Geldes. 1890. S. 80 und die dort zitierten Publikationen.
3) Siehe Ripgkway, The origin of metalKc currency. 1892.