26 Erstes Buch. I. Abschnitt. Die Entwicklungsgeschichte des Geldes.
köpf, zeigen, auf der andern Seite an Stelle der unregelmäßigen Ver-tiefungen ein Quadrat (quadratum incusum). Es hat lauge gedauert,bis auch die Rückseite ein vollkommenes Münzbild erhielt (etwa vonder Mitte des 5. Jahrhunderts an). Als Münzbilder finden wir außerTierköpfen Darstellungen religiösen Inhalts, wie Götterbilder, die aufden Zusammenhang von Tempeln und Münzstätten, der lange bestandenhat, hindeuten. Inschriften, welche den Namen des Prägeortes oder desMünzherrn angeben, kommen frühzeitig neben den erwähnten Bildnissenvor. Dagegen ist die Sitte, das Bildnis des Landesherrn auf die Münzezu setzen, erst in der hellenistischen Zeit aufgekommen.
Es lag nahe, die ersten Münzen genau nach dem geltenden Ge-wichtssysteme auszuprägen. Neuerdings ist allerdings die Auffassungvertreten worden, daß die Münzen vielfach in enge Beziehung zu denbereits vor ihrer Entstehung vorhandenen Tauschmitteln gesetzt wordenseien. Wo ungeprägtes Metall schon vor der Erfindung der Münze ineiner durch das Gewichtssystem gegebenen Stückelung als Geld ver-wendet wurde, fallen beide Gesichtspunkte zusammeu. Wo bei der Ein-führung des gemünzten Geldes das Vieh die wichtigste Rolle als Geldspielte, soll der Hauptmünze häufig ein Metallgehalt gegeben wordensein, der dem Werte eines Ochsen entsprach; und zum äußerenZeichen dieser Wertübereinstimmung sind die ältesten Münzen vielfachmit dem Bilde eines Ochsen usw. versehen. Bei den Römern warnicht nur das Gepräge der Kupfermünzen „boum oviumque effigie" aus-gestattet, sondern auch der Name „pecunia " (von pecus — Vieh) istvon dem früheren Viehgelde auf das spätere Metallgeld übergegangen.
Was den Stoff anbelangt, aus welchem die frühesten Münzen ge-prägt wurden, so ist folgendes zu bemerken:
Die ersten Münzen Lydiens und der griechischen Nordstaaten inKleinasien waren aus Elektron hergestellt, dessen Zusammensetzungnach Gold und Silber keine einheitliche ist, dessen Silberzusatz jedochim Laufe der Zeit von etwa einem Viertel auf nahezu zwei Drittel stieg,wohl infolge absichtlicher Beimischung; diese Art der Münzverschlech-terung könnte um so leichter betrieben werden, als offenbar noch einzuverlässiges Verfahren zur exakten Feststellung des Feingehaltes derElektronmischung fehlte. Die EiektrQnmünzen werden durchweg alsGoldmünzen bezeichnet.
Silbermünzen scheinen erst später aufgekommen zu sein und inAsien lediglich dem lokalen Verkehr gedient zu haben; das zeigt sichvor allem darin, daß dort die "Silbermünzen in den einzelnen Städtennach sehr verschiedenen Typen geprägt wurden, während hinsichtlichder Goldmünzen eine weitgehende Übereinstimmung herrschte. InGriechenland selbst dagegen haben Silbermünzen den ganz überwiegen-den Bestandteil des Münzumlaufs gebildet.