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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
78
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78 Erstes Buch. I. Abschnitt. Die Entwicklungsgeschichte des Geldes.

gegen ein neues Papiergeld, die einlösbaren Reichskreditbillets, ein-gelöst, und zwar mit der Maßgabe, daß für je 350 Rubel in Assignaten100 Rubel in Kreditbillets gegeben wurden. Solange die Kreditbilletseinlösbar waren, bestand wieder eine Silberwährung. Aber infolge desKrimkrieges mußte im Jahre 1854 die Einlösung eingestellt werden,und die zweite Periode der russischen Papierwährung begann mit derEntstehung eines neuen Aufgeldes auf den Silberrubel. Daß vomJahre 1800 an die Kreditbillets als Noten der staatlichen russischen Reichsbank erschienen, brachte keine materielle Änderung. Das Auf-geld des Silberrubels stieg allmählich auf etwa 30 Prozent, bis derRussisch-Türkische Krieg im Jahre 1877 mit einer starken Vermehrungder Papiergeldausgabe eine weitere heftige Steigerung des Agios herbei-führte. Der Kurs des Papierrubels bewegte sich von nun an in großenSchwankungen, die, nachdem das Silber in den wichtigsten Kultur-staaten demonetisiert und seine Prägung auch in Rußland eingestelltworden war (1876), nicht mehr an dem ursprünglichen Währungsgeld,dem Silberrubel, gemessen wurden, sondern an den ausländischen Gold-währungen, namentlich an der deutschen Reichswährung. Der BerlinerRnbelkurs erreichte in jener Periode seinen tiefsten Stand mit 164 Markpro 100 Rubel im Jahre 1887, seinen höchsten Stand mit 265 Markim Jahre 1890. Vom Jahre 1894 an gelang es den geschickten Operationendes russischen Finanzministeriums, in Vorbereitung der Einführung derGoldwährung den Berliner Rubelkurs auf etwa 220 Mark zu befestigen,und die im Jahre 1899 formell vollendete Goldwährung entsprichteinem Rubelkurse von 216 Mark.

Österreich hatte bereits während der französischen Revolutions-kriege im Jahre 1793 seine Zuflucht zur Papiergeldwirtschaft genommen,die in ihrem Verlaufe zu einer sehr erheblichen Entwertung des Geldesführte. Die für unemlösbar erklärten Noten der Wiener Stadtbankhatten im Jahre 1811 nur noch 1/3 ihres ursprünglichen Metallwertes.Ihre Ersetzung durch ein neues Papiergeld hatte keinen Erfolg. Erstder im Jahre 1816 gegründeten Nationalbank gelang es, wieder ge-ordnete Geldverhältnisse herzustellen. Die Unruhen des Jahres 1848führten zur Einstellung ihrer Noteneinlösung, und damit begann eineneue Periode der Papierwährung, die bis heute noch nicht zum voll-ständigen Abschluß gekommen ist. Neben den uneinlösbaren Bank-noten wurde uneinlösbares Staatspapiergeld ausgegeben. Die Versuchezur Wiederherstellung der Barzahlungen, die 1853, 1858 und 1866gemacht wurden, scheiterten im ersten Falle an der beim Ausbruchedes Krimkrieges notwendig gewordenen Mobilmachung, im zweitenFalle am Ausbruche des Krieges mit Italien , im dritten Falle an demKriege mit Preußen. Der Geldbedarf des Staates wurde durch dieseEreignisse stets im entscheidenden Momente so stark erhöht, daß die