200 Erstes Buch. II. Abschnitt. Die Gestaltung der Edelrnetallverhältnisse.
sein Schicksal traten vielmehr in den Hinteigrund gegenüber dem .Interesse an stabilen Wechselkursen zwischen den Goldwährungsländernund den noch vorhandenen Silberländern.
Gewiß hatten die „Valutadifferenzen" zwischen Gold- und Silber-ländern auch im Währungsstreite der vergangenen Jahrzehnte und aufden sich mit der Wiederherstellung des Silberwertes und demBimetallismus befassenden Münzkonferenzen eine große Rolle ge-spielt. Aber der Unterschied war, daß man früher in der Befestigungdes Wertverhältnisses zwischen Silber und Gold, die nur im Wegedes internationalen Bimetallismus erreichbar sein sollte, das einzigeMittel zur Beseitigung der Valutaschwankungen gesehen hatte, währendman jetzt ganz bewußt auf Festlegung des Silberwertes und Bimetallis-mus verzichtete. Daß auch unter einem solchen Verzichte eine Stabili-tät der Wechselkurse zwischen Gold- und Silberländern zu erreichenwar, hatte inzwischen das Beispiel Indiens schlagend gelehrt.
Die amerikanische Kommission besuchte zusammen mit einer mexi-kanischen Kommission Paris, London, den Haag, Berlin und Petersburgund verhandelte dort, unter Mitwirkung der diplomatischen VertreterChinas, das im übrigen die Wahrung seiner Interessen der amerikanischenUnion überlassen hatte, mit den von den betreffenden Regierungen be-stellten Vertretern. Es kam der Kommission dabei mehr auf eine dasProblem klärende Aussprache mit den Sachverständigen der ver-schiedenen Länder an, als auf die Herbeiführung von Beschlüssen vonunmittelbarer praktischer Tragweite. Insbesondere lehnten es dieamerikanischen und mexikanischen Mitglieder überall ausdrücklich ab,die Goldwährungsländer zu irgendwelchen Änderungen ihrer Münzgesetz-gebung zugunsten des Silbers oder zu Silberankäufen über den effek-tiven Verkehrsbedarf hinaus veranlassen zu wollen. Die Aussprachehatte das Ergebnis, daß allgemein die Möglichkeit und Zweckmäßig-keit einer Stabilisierung der Valuta der Länder mit Silberumlauf aufeiner Goldbasis anerkannt wurde; auch hinsichtlich der Mittel, durch diedas Ziel erreicht und dauernd sicher gestellt werden könne, ergab sicheine weitgehende Ubereinstimmung: Beschränkung der Ausprägungvon Silberkurant und womöglich Schaffung einer aus den Silberpräge-gewinnen zu alimentierenden Goldreserve zum Zwecke der Aufrecht-erhaltung des Wechselkurses gegenüber vorübergehenden ungünstigenGestaltungen der Zahlungsbilanz. Auch darüber war man sich klar,daß für das große und wichtige chinesische Reich die Lösung desProblems ganz besondere Schwierigkeiten bieten würde, weil hierein eigentlicher Münzumlauf überhaupt erst noch zu schaffen war.')
1) Siehe den Report on the introduction of the gold-exchange Standard intoChina and other silver-using countries, Drucksachen des amerikanischen Repräsen-tantenhauses 1003. No. 144. .