202 Erstes Buch. II. Abschnitt. Die Gestaltung der Edelmetallverhältnisse.
Jich gemacht, dieses Metall in einer erheblich erweiterten territorialenAusdehnung als Geldstoff zu verwenden. Die internationale Währungs-verfassung hat eine nahezu vollständige Konsolidierung auf der Basisdes Goldes erfahren.
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Über die tatsächlichen Verhältnisse des Geldumlaufs der einzelnenLänder gibt die nach den Schätzungen des amerikanischen Münz-direktors berechnete Tabelle auf S. 203 eine ungefähre Übersicht (vgl.Volkswirtschaftliche Chronik, 1909, S. 484/485). In dieser Tabelle sindfür Deutschland die oben auf S. 180 für 1909 ermittelten Zahlen ein-gesetzt. Der amerikanische Münzdirektor gibt in seiner Statistik dendeutschen Goldvorrat mit 4386,5 Millionen Mark viel zu hoch an; esliegt bei ihm offenbar eine Verwechslung mit den Nettoprägungen vor.
§ i. Die Ursachen der Silberentwertung.
Aus der bisherigen Darstellung geht hervor, daß die großen Ver-änderungen der internationalen Währungsverfassung, die mit den70er Jahren begonnen haben, von einer starken Erschütterung desWertverhältnisses zwischen Silber und Gold begleitet wurden Währendseit dem Beginn des 19. Jahrhunderts bis zum Anfang der 70er Jahredas Wertverhältnis nur zwischen etwa 1:15 und 1:16 geschwankthatte, stellte sich die durchschnittliche Relation des Jahres 1879 auf1:18,40. Bis zum Jahre 1892 erfolgte ein weiterer Rückgang desSilberwertes bis zu einer Relation von etwa 1:23. Von 1893 an er-folgte ein neuer starker Preissturz, sodaß im Jahre 1902 das durch-schnittliche Wertverhältnis etwa ! : 39 war. In den folgenden Jahrenhaben der Russisch-japanische Krieg und seine Nachwirkungen eineerhebliche Zunahme der Silbernachfrage hervorgerufen, sodaß zeit-weise eine nicht unerhebliche Steigerung des Silberpreises eintrat.Aber das Jahr 1908 wies bereits wieder ein durchschnittliches Wert-verhältnis von 1:38,67 auf, und gegenwärtig (April 1910) ist dasWertverhältnis auf 1:40 angekommen.
Die Tatsache dieser starken Entwertung des Silbers gegenüberdem Golde wurde in der Schilderung der Entwicklung der internatio-nalen Währungsverfassung verzeichnet, ohne daß auf die Feststellungder Ursachen dieser in der Geschichte der Edelmetalle bisher uner-hörten Erschütterung des Wertverhältnisses der beiden Metalle ein-gegangen worden wäre. Die Darstellung der geschichtlichen Entwick-lung der internationalen Edelmetall- und Währungsverhältnisse würdejedoch der Vollständigkeit entbehren, wenn hier eine Erörterung derUrsachen dieser gewaltigen Verschiebung des Wertverhältnisses undnamentlich des Zusammenhangs der veränderten Münzgesetzgebungund der Silberentwertung unterbliebe.