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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
208
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208 Erstes Buch. II. Abschnitt. Die Gestaltung der Edelmetall Verhältnisse.

Während Indien von 1855 bis 1860 beträchtlich mehr Silber ab-sorbierte, als gleichzeitig produziert wurde, stieg der Überschuß derSilberproduktion über den indischen Bedarf von 331000 kg im Jahr-fünft 1866 bis 1870 in den beiden folgenden fünfjährigen Perioden auf1 642000 kg und 1 696000 kg.

An dieser Stelle müssen die Gründe des auffallenden Rückgangsder indischen Silbernachfrage während der für das Silber kritischenZeit einer kurzen Erörterung unterzogen werden.

Der Rückgang der Silberverschiffungen nach Indien hatte seineUrsache zum Teil in dem Wegfall der ungewöhnlichen Verhältnisse,welche die außerordentlichen Verschiffungen während der 50 er und60er Jahre veranlaßt hatten, vorwiegend aber darin, daß die Zah-lungen in Gold, die Indien nach England zur Verzinsung von An-leihen, zur Auszahlung von Gehältern und Pensionen usw. zu leistenhatte, sich rapid vermehrten. Die Mittel für diese in England zuleistenden Goldzahlungen wurden und werden heute noch aufgebrachtdurch die Begebung der sogenannten India-Councilbills auf demLondoner Markte. Die Councilbills sind Wechsel, die vom IndischenRate in London auf die indische Finanzverwaltung gezogen werdenund in Bombay, Kalkutta oder Madras in indischer Währung zahlbar sind.

Diese Councilbills oder Schatzwechsel waren als Zahlungsmittelfür Indien besser verwendbar als das Silber. Ihre Versendung machtegeringere Kosten und bedingte keinen Zinsverlust; die Möglichkeitihrer telegraphischen Übertragung machte sie besonders brauchbar inFällen eines plötzlichen und starken Geldbedarfs in Indien und gestatteteaußerdem die Vermeidung von Kursverlusten, denen Silber und gewöhn-liche Wechsel auf Indien infolge des langen Zeitraums zwischen Ankaufin London und Verwendung in Indien ausgesetzt waren. Deshalb wardie Größe des Angebots von Schatzwechseln für die Silbernachfrageund der Kurs, zu welchem sie begeben wurden, für den Silber preisvon großem, oft sogar von entscheidendem Einflüsse.

Es traf sich nun, daß gerade in der für das Silber kritischen Zeitdie Begebungen von Schatzwechseln infolge der steigenden VerschuldungIndiens an England einen großen Umfang annahmen. Während sichdie jährlichen Begebungen im Durchschnitt der 50 er Jahre auf21,8 Millionen Rupien belaufen hatten, stellten sie sich in der zweitenHälfte der 60er Jahre schon auf 55,2 Millionen Rupien, um 1870 bis 1875auf 120 Millionen, 1876 bis 1880 auf mehr als 150 Millionen Rupien zusteigen. Zeitweise überstieg ihr Betrag den Wert der gesamtenenglischen Silberausfuhr.

Auf diese Weisp nahmen die Councilbills auf Kosten des Silbersunter den Rimessen für Indien einen immer größeren Raum ein, wiefolgende Ziffern beweisen.

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