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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
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Kapitel. Die Einzelfunktionen des Geldes. § l.

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schichtswidrig zurückgewiesen werden. Sollen die Konsekutivfunktionenund die sonstigen gebräuchlichen Benutzungsarten des Geldes mitEücksicht auf ihre hohe praktische Wichtigkeit der Begriffsbestimmungdes Geldes beigefügt werden, so muß das in einer ihren konsekutivenbzw. ihren akzidentiellen Charakter kennzeichnenden Weise geschehen.,Geld' ist jedes Verkehrsobjekt, welches als allgemein gebräuchlichesTauschmittel und infolge dieses Umstandes aller Regel nach auch alsMaßstab des Tauschverkehrs funktioniert, Funktionen, mit denen sichauch regelmäßig die eines Mittels für einseitige und subsidiäre ver-mögensrechtliche Leistungen, eines Vermittlers des Kapitalverkehrs,falls der Geldstoff hierzu geeignet ist, auch die eines Thesaurierungs-mittels verbinden." 1 )

Menge«, hat Recht, soweit er die Versuche zurückweist, denBegriff des Geldes zu definieren durch eine Aufzählung aller einzelnenFunktionen, die das Geld erfüllt oder erfüllen kann; dagegen hältseine Auffassung, die allein der Tauschmittelfunktion die Wesentlichkeitzuerkennt, nicht Stich, wenn wir sie auf Grund der oben gegebenenAnalyse der Verkehrsvorgänge prüfen.

Von den der Vermittlung durch das Geld zugänglichen Verkehrs-vorgängen sind diejenigen, die sich als Tausch bezeichnen lassen, nur

1) ArtikelGeld" im Handwörterbuch der Staatswissenschaf top, 2. Aufl.,Bd. IV, S. 100. Iu der 3. Auflage desHandwörterbuchs", die wählend derDrucklegung dieses Werkes erschienen ist, hat Menger. den Abschnitt .,Aus denFunktionen sieh ergebender Begriff des Geldes" in einer Weise umgearbeitet, diesich in manchen Punkten der Auffassung des Verfassers annähert. Die oben zitierteStelle kehrt in diesem Wortlaute nicht wieder, sondern ist im wesentlichen durchfolgende Ausführungen ersetzt, die jedoch in dem hier entscheidenden Punkte, derausschließlichen Anerkennung der Tauschmittelfunktion als begriffswesentlich; an derfrüheren Auffassung Mengers festhält (Bd. rV, S. 598 ff.).

Mag ein Gut welcher Art immer, eine bisher dem Konsum oder der tech-nischen Produktion dienende Ware, ein Rohstoff oder ein Kunstprodukt, ein durchdie Wage zuzumessendes Metall oder eine zirkulationsfähige Urkunde sein, das-selbe wird zum Geide, sobald und insoweit es in der geschichtlichen Entwicklungdes Güterverkehrs eines Volkes die Funktion eines allgerneingebräuchliohen Tausch-vermittlers (bzw. der Kcnsekutivfunktion des letzteren) tatsächlich übernimmtund hierdurch diejenige eigenartige Stellung im Verkehre und in der Volkswirtschaftvermöge welcher es, als ein den Güteraustausch vermittelndes Verkehrs-gut, in Gegensatz zu allen übrigen Objekten des Verkehrs tritt, deren Aus-tausch es vermittelt .... Was das Geld von allen übrigen Marktgütern unter-scheidet . . . und somit seinen allgemeinen Begriff bestimmt, ist seine Funktionals allgemein gebräuchlicher Vermittler des Güteraustausches. Alle übrigen Merk-male, die wir nur au bestimmten Erscheinungsformen des Geldes oder gar nur amGelde bestimmter Kulturstufen beobachten können (die Kousekutivfunktionen derTauschvermittlerfunktion des Geldes!), sind nur Erscheinungen der Entwicklungund Ausgestaltung de3 Geldes (bzw. akzidentielle Merkmale desselben), die inde*nicht zu seinem allgemeinen, seinem Wesensbegriffe gehören.*-

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