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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
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Zweites Buch. III. Abschnitt. Die Geldvorfassung.

Gold keinen allzubreiten Kaum in dem Geldumlaufe einnehmen. Woumgekehrt die durch Geld zu vermittelnden Umsätze und Zahlungenso große Quantitäten von Silbermünzen erfordern, daß deren Transportund Übertragung lästig wird, da ist der Boden für einen überwiegendenGebrauch von Goldgeld gegeben. Wo ferner die durch Geld zu ver-mittelnden Beziehungen sich auf einen engen territorialen Kreis be-schränken, da wird man im allgemeinen den Gebrauch eines wenigerwertvollen Zahlungsmittels nicht in demselben Maße lästig finden, wiedort, wo die Notwendigkeit zur Versendung vou Geld über großeEntfernungen hin vorliegt.

Aber weder die Größe der Umsätze, noch die räumliche Ausdeh-nung der Beziehungen, die durch Geld zu vermitteln sind, befindensich in unmittelbarer Abhängigkeit von dem allgemeinen Stande derwirtschaftlichen Kultur. Was den ersteren Punkt anlangt, so kommtes, wie im geschichtlichen Teile an der Gestaltung der europäischenGeldverhältnisse nachgewiesen worden ist, für die verschiedenen Epochenund Länder sehr wesentlich darauf an, wie weit überhaupt die Pro-duktion für den Absatz und der Geldgebrauch die Eigenwirtschaft undden naturalen Tausch innerhalb der einzelnen Schichten der Volks-wirtschaft verdrängt haben. Man wird im allgemeinen das Vordringender Geldwirtschaft in immer tiefere Schichten des Wirtschaftslebensals ein Zeichen fortschreitender wirtschaftlicher Kultur ansehen können.Aber mit einer solchen wirtschaftlichen Entwicklung braucht derÜbergang zu einem wertvolleren Geldstoffe so wenig Hand in Hand zugehen, daß man vielmehr versucht sein könnte, eine umgekehrte Ent-wicklungstendenz zu behaupten. Es sei nur daran erinnert, daß dergewaltige Fortschritt, den die Geldwirtschaft vom Ausgang des Mittel-alters an in den europäischen Ländern machte, von dem in den letztenJahrhunderten des Mittelalters vorherrschenden Goldgebrauche zu einemÜberwiegen des Silbergeldes hinführte. Während der Großverkehr,bei dem der Geldgebrauch naturgemäß beginnt, bei seinen viel-leicht weniger zahlreichen, aber im Einzelfalle große Werte umfassendenUmsätzen von vornherein für die wertvollsten Geldstoffe Verwendunghat, können die breiten unteren Schichten der Volkswirtschaft, indenen es sich zwar um zahllose, aber im Einzelfalle kleine Umsätzehandelt, dem Geldgebrauche nur durch ein weniger wertvolles Gelderschlossen werden; die Summe dieser kleinen Umsätze mag dann be-trächtlich höher sein, als die Summe der Umsätze des Großverkehrs,sodaß infolge einer solchen Ausdehnung der Geldwirtschaft der wenigerwertvolle Geldstoff an Stelle des wertvolleren die Vorherrschaft er-langt.

Auch die territoriale Ausdehnung der durch Geld zu vermittelndenBeziehungen kann von Bedingungen abhängen, welche nicht ohne