ERSTER TEIL
I. Ansichten über dieEntleerung. Verschiedenartiges Schamgefühl
ijrenau betrachtet, ist der Ekel, den ein natürlich den-kender Mensch vor dem Kot oder Urin empfindet, un-natürlich. Denn tatsächlich ist das Endprodukt derVerdauung nur ein Glied im Prozesse des Werdens undVergehens. Die Pflanzen erfreuen zuerst unser Auge,parfümieren die Luft und erquicken unsere Nase, dannschmücken sie unsere Tafel, befriedigen unsern Magen,passieren unsern Darm, und schließlich düngen sie wie-der das Feld, dem sie entstammen. Eine ähnliche Me-tamorphose wird auch in einem alten lateinischen Ge-dichte geschildert (vgl. Dornavii, Amphitheatrum I 3 k 9:De furno et Latrina):
Clinda quidem variunt formam, sed nil pcrit: MineHuc venit, hinc illucilque reditque eibus.Triticeo molitum pistumque e semine panemArdensi fornax coneavus igne coquit.At furno coctum, slomachoque gulaque voratum,Egestumque culo servo latrina eibum.Vertuntur panes in stercora; at illa per agrosSparsa Herum fiunt pinguis et alma ceres.Collecto rursum coquilur de semine panis,Atque ila consumptum reddo latrine eibum.Debetur, fateor, patulo sua gloria furno,Sed tanla aut major gratia habenda mihi est.
Wir haben also tatsächlich keinen Grund, uns unsererGottähnlichkeit zu rühmen und naserümpfend uns von
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