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Das skatologische Element in Literatur, Kunst und Volksleben / von Paul Englisch
Entstehung
Seite
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meinen ehrlichen Namen auszusprechen, hält man fürunschicklich. Trotzdem habe ich auf der Welt gar vielzu bedeuten. Was hülfen alle Schätze, wenn man michnicht besitzen könnte. Ein jeder anständige Mensch ver-wahrt mich deshalb auf das sorgfältigste, hüllt mich,solange er noch einen Groschen in der Tasche hat, inSamt, Seide und feine Leinwand und nennt mich sei-nen Allerwertesten. Wer mich nicht mehr bekleidenkann, den sieht man für einen Lumpen an.Durch mich wird die Jugend gebildet und erzogen;durch mich sitzt der König auf seinem Thron, jaMarkus saß durch mich auf den Trümmern Karthagos,und der Verbrecher sitzt durch mich in seiner Zelle.Mit den edelsten Geschlechtern stehe ich in der innig-sten Verbindung. Kaiserinnen, Königinnen, Fürstinnengehen mit mir zu Bette, und ich habe gleich der Gardedas Vorrecht, in Gegenwart des Königs bedeckt zu blei-ben. Dessenungeachtet fühlt sich doch der geringsteBettler beleidigt, wenn er bei mir zu Gaste gebeten wird.Im Punkte der Ehre bin ich sehr kitzlich. Es kann sichniemand rühmen, mich jemals an der Nase herum-geführt zu haben.

Obgleich ich die Ruhe liebe, stehe ich in dem Gerüche,sehr häufig Stänkereien anzufangen.Bei den feierlichen Sitzungen der Gerichte und Kam-mern habe ich besonders viel zu dulden, spiele aberdabei die Hauptrolle; denn, wenn auch bei der Abstim-mung meine Stimme nicht mitgezählt wird, so weißdoch ein jeder, daß die ganze Sitzung nur auf mir be-ruht und ohne mich nicht aufgehoben werden kann.Trotz der Ähnlichkeit meiner Wangen und der feinenBildung meines Mundes bin ich kein großer Redner, undnehme ich mir einmal die Freiheit, zu reden, so stiebt

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