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Das skatologische Element in Literatur, Kunst und Volksleben / von Paul Englisch
Entstehung
Seite
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Und im Abort, den Papst Pius V. im Lateran erbauenließ, prangte sofort nach Vollendung des Werkes fol-gendes Epigramm:

Papa Pius quinlus, ventres miseratos onustosHocce cacatorium nobile fecit opus 19 .

Auch heute noch kann man auf seinen Reisen Hunderlesolcher Sprüche sammeln, wenn man sich die Muße dazunimmt, doch man muß sich beeilen. Denn dem Zugeder Zeit folgend, gehen Eisenbahn, Gastwirte und son-stige Unternehmer immer mehr dazu über, die Abort-anlagen so herzustellen, daß ein Beschreiben immög-lich wird, indem die Wände mit Teeranstrich oderMörtelbewurf ausgestattet oder aus Wellblech errichtetwerden. Die feineren Gaststätten wiederum wählen Ka-cheln oder Glasursteine, worauf sich natürlich nichtschreiben läßt. Dadurch wird dem Drang, sich mitzu-teilen, auf die wirksamste Weise ein Riegel vorge-schoben.

Wo liegen nun die tieferen Gründe, die zur Versifizie-rung drängen? Friedrich Erich Schnabel 50 sagt ganztreffend:

Die Inschriften, die man vorfindet, sind teils skato-logisch, teils erotisch. Das Zustandekommen der erste-ren dürfte sich so erklären, daß bei dem Besucher eineergiebige Entleerung ein gewisses Lustgefühl hervorruf LDas Zustandekommen der erotischen hingegen, glaubeich, auf verschiedene andere Beweggründe zurückfüh-ren zu müssen. Einesteils mag bei dem Besucher durcheine beschwerliche Entleerung eine erotische Stimmungausgelöst werden, indem der gefüllte Darm auf Teiledes Genitalapparates drückt und so eine Erektion ver-

49 Menagiana, ou Bons Mots de Menage, Paris 1693, S. 181.

50 Thüringer Abortinschriften in Anthr., Bd. 8, S. 407.

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