Und im Abort, den Papst Pius V. im Lateran erbauenließ, prangte sofort nach Vollendung des Werkes fol-gendes Epigramm:
Papa Pius quinlus, ventres miseratos onustosHocce cacatorium nobile fecit opus 19 .
Auch heute noch kann man auf seinen Reisen Hunderlesolcher Sprüche sammeln, wenn man sich die Muße dazunimmt, doch — man muß sich beeilen. Denn dem Zugeder Zeit folgend, gehen Eisenbahn, Gastwirte und son-stige Unternehmer immer mehr dazu über, die Abort-anlagen so herzustellen, daß ein Beschreiben immög-lich wird, indem die Wände mit Teeranstrich oderMörtelbewurf ausgestattet oder aus Wellblech errichtetwerden. Die feineren Gaststätten wiederum wählen Ka-cheln oder Glasursteine, worauf sich natürlich nichtschreiben läßt. Dadurch wird dem Drang, sich mitzu-teilen, auf die wirksamste Weise ein Riegel vorge-schoben.
Wo liegen nun die tieferen Gründe, die zur Versifizie-rung drängen? Friedrich Erich Schnabel 50 sagt ganztreffend:
„Die Inschriften, die man vorfindet, sind teils skato-logisch, teils erotisch. Das Zustandekommen der erste-ren dürfte sich so erklären, daß bei dem Besucher eineergiebige Entleerung ein gewisses Lustgefühl hervorruf LDas Zustandekommen der erotischen hingegen, glaubeich, auf verschiedene andere Beweggründe zurückfüh-ren zu müssen. Einesteils mag bei dem Besucher durcheine beschwerliche Entleerung eine erotische Stimmungausgelöst werden, indem der gefüllte Darm auf Teiledes Genitalapparates drückt und so eine Erektion ver-
49 Menagiana, ou Bons Mots de Menage, Paris 1693, S. 181.
50 Thüringer Abortinschriften in Anthr., Bd. 8, S. 407.
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