Ans der Feder eines anonymen deutschen Dichtersstammt das Poem:
Der Nachttopf und das Siegeszeichen
An einem halbverfallenen Palast
Sah man ein großes Siegeszeichen
Den Trümmern nah — die schwere Last
Des Alters droht es bald zu beugen.
Es trauerte ob dem Ruin
Und glaubte, wenn einst diese Zierde
Die grausame Zerstörerin,
Die Zeit, in Staub verwandeln würde,
Auch die Triumphe, die erfochtnen Siege,
Die es als Sinnbild vorgestellt,
Vergessen wären, und die künft'ge Welt
Von all den großen Taten schiuiege.
Indem es nun zwar traurig, aber immer
Voll Heldenmut sein Mißgeschick beklagt,
Vernimmt ein Nachttopf, der im nächsten Zimmer
Am Fenster stand, was er gesagt.
Jetzt sah es ihn und fuhr ihn wütend an:
,,Du schändliches Gefäß, aus schlechtem Ton geschaffen,
In dem ein Wasser stockt, von dem sich jedermann
Mit Abscheu kehrt — was hast du hier zu schaffen?
Zerbrechliches Geschirr! Des Siegers Monumenten
Kannst du so frevelvoll dich nahn?" —
Der Nachttopf ließ es ruhig enden
Und hub dann seine Antwort an:
,,Warum sprichst du auf diese Art mit mir?
Weit besser wär's, du hält'st geschwiegen.
Wenn ich das Denkmal von den großen Siegen
Und deine Faszes, Pfeile, Fahnen hier
Betrachte — was kann dir's wohl schaden?
Doch wenn ich höre, daß du dich
So eitel rühmst mit jenen Taten,
Dann wahrlich ist mir's lächerlich.
Du prahlst mit deinen Ehrenzeichen
Und nennst dich des Triumphes Kind.
Und deine Faszes? — Ha! was zeigen
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