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Fort mit Erzberger! / von Karl Helfferich
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diskretionen überfließt, der bis geheimsten Jmmediatberichte inParteiversammlungen vorliest, verschloß das Verbre-chen, das er im Werden beobachtete, in den tief-sten Tiefen seines Herzens, um es nach zweiJahren hervorzuholen, gerade in dem Augenblick, als die ver-hängnisvollen Folgen seiner entsetzlichen Fuhrwerkerei vom Som-mer 1917 allen Augen offenbar werden! Wenn Herr Erz-berger als eine der ganz wenigen Personen, die im Gegen-satz zu den meisten Staatssekretären und zu der Obersten Heeres-leitung den Schriftwechsel Pacelli-Michaelis damals schonkannte und in ihm das Verbrechen der Vereitelung eines ernst-lichen britischen Friedensversuches sah, warum hat dannder mächtige Abgeordnete sich eine seinemWesen gänzlich fremde Zurückhaltung aufer-legt? Warum hat er nicht eingegriffen, um dasUnheil zu verhüten oder wiedergutzumachen?Warum hat er nach wie vor seine schützendeHand über den materiell für die Behandlungdes Pacelli-Briefes verantwortlichen Staats-sekretär v. Kühlmann gehalten?

Wenn aber Herr Erzberger, der damals wußteund schwieg, heute den Briefwechsel Pacelli-Michaelis zudem ungeheuren Verbrechen einer vereiteltenFriedensmöglichkeit aufbauscht, wenn er gegenbesseres Wissen entgegen der vom Kaiser getroffenenEntscheidung und der dem neutralen Vertrauensmann ge-gebenen Information behauptet, die Friedensmöglichkeit sei anmilitärischen und schwerindustriellen Forde-rungen in bezug auf Belgien gescheitert, wenn er mitdieser Behauptung aufs neue eine ungeheure Erregungin das deutsche Volk hineinträgt, um Scheiterhaufen fürseine politischen Gegner aufzuschichten undseine eigene kompromittierte Person unbe-merkt in Sicherheitzu bringen, so ist das nichtsals ein gewissenloser und niederträchtigerVolksbetrug von einer vorbildlosen Dreistig-keit, ein Volksbetrug, der dem bisherigen unverantwortlichenTreiben des Reichsverderbers die Krone aufsetzt.

Mag die schwarzrote Mehrheit ihren Erzberger an denMauern anschlagen! Der Tag der Wahrheit kommtdoch!