Meine Damen und Herren! Vor allem aber müssen dieGefabren für das Rheinland, von denen ich sprach, an der Wurzelgefaßt werden: an der Kriegsschuldfrage. An dieser Kardinal-frage hängt alles. Wenn die Welt sich davon überzeugen muß,daß nicht wir die Friedensstörer sind und waren (sehr richtig!rechts), daß wir es sind, die allen Anspruch auf Sicherh-it gegen-über einem Nachbarn haben, denCarlyle gebührend gekenmeichnethat*) —, wenn uns das gelingt, dann ist die Gefahr der Neutrali-sierung der Rheinlande, der Abtrennung der Rheinlande in derHauptsache gebannt.
An Anlässen, die Frage der Kriegsschuld vorzubringen underneut zur Diskussion zu stellen, hat es in der letzten Zeit wahrlichnicht gefehlt. Ich verweise nur auf die neuesten Aufklärungen überdie Fälschungen der entscheidenden Depeschen indem von der französischen Regierung heraus-gegebenen Gelbbuche. Ich verweise vor allem auf dieRede, die der amerikanische Senator Owen im ameri-kanischen Kongreß gehalten hat, und die 45 eng bedruckte Seitendes Congressional Report füllt. In dieser Rede stellt Herr Owenfest, daß von 60 Depeschen des seinerzeit veröffentlichten russischenOrangebuches nicht weniger als 50 gefälscht sind. (Lebhafte Ruferechts: Hört! Hört!) Hevr Owen kommt zu dem Schluß:
daßdiemilitärischenBeherrscherDeutsch-lands, wie er sich ausdrückt, den Kriegnicht gewollt haben, ja den Krieg zu ver-meiden gesucht haben (Hört! Hört! rechts), daßaber die LeiterRußlandS und Frankreichs zumKrie geentschlossen waren, daß siemitihren Mobilmachungen beabsichtigten,einen Krieg herbeizuführen, den sie seitvielenJahrenin jährlich enMilitärkonfe-renzen und durch Ausarbeitung voll-ständigerKriegSplänebiöinalle Einzel-
*) Thomas Carlyle, der berühmte englische Historiker, schrieb am18. November 1870 in der „Times": „Seit vierhundert Iahren hat keine Nationeinen so bösartigen Nachbarn gehabt, wie Deutschland an den Franzosen , di-unverschämt, raubgierig, unersättlich und unversöhnlich auftraten, immer zumAngriff bereit."
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