Aber, meine Damen und Herren, nach diesen drei Abkommenstanden gestern und vorgestern auf der Tagesordnung und stehenauf der Tagesordnung der heutigen Sitzung das Weißbuchmit seinem Nachtrag über den
Schriftwechsel mit der Reparations!ommission,und das schließt allerdings mehr als alles andere unserSchicksal für die nächste Zukunft ein. Da hätten wirerwartet und wir hätten es gern gesehen, wenn derHerr Reichskanzler, der über diese Frage abgesehen von demkurzen historischen Referat über Genua sich seit langen Wochen nichtgeäußert hat, die Gelegenheit dieser Tagesordnung ergriffen hätte,um die Stellungnahme der Regierung darzulegen und die Hand-lungen der Regierung, die in diesem Weißbuch umschlossen sind,vor dem Hause zu begründen. (Sehr gut! rechts.) Das istbisher nicht geschehen. Wir sind heute am dritten Tage dieserErörterung. Ich bin überzeugt, die Erörterung in diesem Haujekönnte nur gewonnen haben, wenn der Herr Reichskanzler mitseinen Ausführungen an die Spitze dieser Erörterungen getretenwäre. Aber der Herr Reichskanzler ist ja hier, er war auch in denletzten Tagen hier, und ich zweifle nicht daran, daß der HerrReichskanzler die, wie ich annehme, von der großen Mehrheitgewünschte Aufklärung doch noch im Laufe dieser Debatte geben»ird.
Die Politik der Erfüllung, die in dem uns vorge-gten Schriftwechsel mit der Reparationskommission ihre neusteokumentierung erfährt, hat uns — das will ich einmal kurzzusammenfassen — die furchtbare Entwertung des deutschen Geldesgebracht, hat unseren Mittelstand zermalmt, hat zahlloseFamilien in Not und Elend gebracht, hat zahl-lose Menschen in Verzweiflung und Selbstmord getrie-ben, sie hat große wertvolle Teile unseres nationalen Produktiv-Kapitals dem Ausland ausgeliefert, sie hat unsere wirt-schaftliche und soziale Ordnung in ihren Grundfestenerschüttert. (Abg. Hoch: Alles die Folge Eurer PolitikI)
Meine Herren von der Regierung. Sie wollen heute, wo volleKlarheit und unbestrittene Klarheit über die
Unmöglichkeit der Erfüllung des Londoner
Ultimatums
besteht, den Versuch der Erfüllung nur noch gemacht haben, um denBeweis der Unmöglichkeit der Erfüllung zu bringen. Wenn Siewirklich sehenden Auges all das Elend und all die Zerstörung aufsich genommen haben, um unsere Gegner eines Besseren zu be-lehren, um unsere Gegner von unserem guten Willen zu über-zeugen, dann beneide ich Sie nicht um Ihren Schlaf. (Sehr gut?bei den Dntl. — Lachen und Zurufe links.) Wenn Sie das für sichin Anspruch nehmen, dann nehmen Sie sich selbst den einzigenmildernden Umstand, der Ihnen zur Seite steht, diemangelndeVoraussicht. (Sehr gut! bei den Deutschnationalen. — Zu-rufe von den Kommunisten.)