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Deutschlands Not : Reichstagsrede, gehalten am 23. Juni 1922 / von Statsminister Dr. Helfferich
Entstehung
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sich königliche und prinzliche Schlösser mit Millionen von Markfür ihre Bedürfnisse neu einrichten lassen (Zurufe links), der hatkein Recht, Deutschland deshalb zu kontrollieren, weil Deutsch-land nicht sparsam genug sei. (Stürmische Zustimmung rechts.)Es ist eine Schamlosigkeit, wenn Nationen, die für eine solche Ver-schwendung verantwortlich sind, von dem ausgesaugten deutschenVolke Sparsamkeit verlangen und eine Sparsamkeitskontrolle hier-herschicken wollen. (Rufe rechts: Sehr richtig! Abg. Hoffmann(Berlin ): Erzählen Sie doch einmal, wo der Kronprinz seine Bor-delle gehabt hat! Rufe rechts: Pfui Teufel!) Pfui Teufel!Herr Abg. Hoffmann! Wenn Sie sich für Bordelle interessieren,dann will ich Ihnen sagen, dasz mit auf Ihre Kosten ^- diefranzösische Regrerung im besetzten Gebiet eine ganze Anzahl vonVordellen unter Ausgabe von einer Million Mark eingerichtethat. (Abg. Hoffmann (Berlin ): Ihr Kronprinz hat sie einge-richtet! Es ist einer so viel wert wie der andere!) DieSchweinerei wird nun bald doch zu groß! Da kann ich nicht mehrmit?

Wir wünschen, dasz auch die deutsche Regierung eindeutliches Wort über diese Schamlosigkeit findet, von der ich ebengesprochen Haie. Wir wünschen, dasz auch die deutsche Regierungdazu beitragen möge, die Welt, an deren Urteil ihr doch so vielliegt, darüber aufzuklären, nicht nur in Denkschriften, die drauszenniemand liest, sondern mit einem offenen, freien Wortaus dem Munde des höchsten Beamten des Deut-schen Reiches. (Sehr richtig! rechts.)

Wir wünschen, dasz die Welt darüber aufgeklärt wird, durchtxn deutschen Reichskanzler, wer in Deutschland verschwendet undwo in Deutschland zu sparen ist, wer von dem Mark des deutschen Volkes zehrt und wer von dem Lasttier, dem man das Futter ent-zieht und das Blut abzapft, verlangt, dasz es Kasten trägt, wie siein der Welt noch nie gesehen worden sind. (Lebhafte Zustimmungrechts.)

Und wir verlangen nicht nur das Wort wir verlangenauch die Tat.

Ich richte an die Herren von der Regierung den Appell: Siehaben Ihre Vorbehalte sehr verwässert; aber trotzdem, Siehaben die Pflicht gegenüber dem deutschen Volke, aus dem Sche-men Ihrer Vorbehalte eine Wirklichkeit zu machen.Weisen Sie kategorisch und aufjede Konsequenz hin in denVerhandlungen mit dem Earantiekomitee alles zurück, was diedeutsche Souveränität beeinträchtigen kann! Halten Sie dieTüren der Reichsbehörden geschlossen gegenüber einer Kontroll-organisation, einer fremden Kontrollorganisation,die unter allen Umständenden geregelten Gang der Verwaltungstören" undin die Steuergeheimnisse der Privaten eindringenwird!" (Sehr richtig! rechts.) Geben Sie sich nicht damit zu-frieden, dasz diese Kontrollorganisation vielleicht klein und beschei-den anfängt! Aus den vier Beamten, die im Rheinlandabkommender Rheinlandkommission zugestanden worden sind, sind nach Ihrereigenen Denkschrift 1300. geworden. (Lebhafte Rufe rechts: Hört!