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Die Entstehung des Weltkrieges im Lichte der Veröffentlichungen der Dreiverbandmächte / von Karl Helfferich
Entstehung
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gisches Territorium annektieren werde. Es hiess in diesem Tele-gramm weiter: "Please impress upon Sir E. Grey that German armycould not be exposed to French attak across Belgium, which wasplanned according to absolutely unimpeachable information" (bittebei Sir Edward Grey nachdrücklich darauf hinzuweisen, dass diedeutsche Armee nicht irgendeinem französischen Angriff über Bel-gien , der nach absolut unfehlbaren Informationen geplant ist, aus-gesetzt werden darf) (Blaubuch No. 157).

Auch dieser letzte Versuch scheiterte. Die englische Regierungstellte noch am Abend des 4. August ein um Mitternacht ablaufen-des Ultimatum, zu einer Zeit, als deutsche Truppen die belgischeGrenze bereits überschritten hatten. Der Krieg mit England war da!

Dass England in den Krieg auch' ohne jede Verletzung derbelgischen Neutralität durch Deutschland eingetreten wäre, bedarfnach der im Vorstehenden dargestellten Entwicklung der franzö-sisch-englisch-deutschen Verhandlungen in der kritischen Wochekeines weiteren Beweises. Die verantwortlichen Leiter der eng-lischen Politik hatten England auf Grund der formell zunichts verpflichtenden Entente mit Frankreich in den seitder Ueberreichung der österreichisch-ungarischen Note anSerbien verflossenen Tagen so stark für ein sofortiges be-waffnetes Eingreifen an der Seite Frankreichs engagiert,dass nur um den Preis des Sturzes des britischen Kabinettsund um den Preis des Vorwurfs der Perfidie England demKrieg hätte fern bleiben können.

Dass die Leute, die England in diese Lage geführt hatten, ihreRechnung dabei fanden, den Vorwand der Verletzung der belgischenNeutralität, von dem sie sich eingestandenermassen eine starke Wir-kung auf die öffentliche Meinung versprachen, nach Kräften zurDeckung der eigenen Verantwortlichkeit auszunutzen, steht aufeinem anderen Brett. Wie unaufrichtig dieser Vorwand war, istoft genug nachgewiesen worden. Es sei in dieser Beziehung aufdie in Brüssel von den deutschen Behörden beschlagnahmten Doku-mente aufmerksam gemacht, aus denen sich ein Zusammenwirkender belgischen und englischen Militärbehörden ergibt, das dem dasWesen der französisch-englischen Entente ausmachenden Zusam-menwirken der beiden General- und Admiralstäbe durchaus ent-spricht. Wenn in bezug auf das englisch -belgische militärischeEinverständnis von England die heuchlerische Ausrede gebrauchtwird, die getroffenen Vereinbarungen hätten sich lediglich auf denden Eventualfall einer Verletzung der belgischen Neutralität durchDeutschland bezogen und an sich keinerlei die Politik der beider-seitigen Regierungen verpflichtende Kraft gehabt, so ist dieser Ein-