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Die Stichworte der Silberleute / Ludwig Bamberger
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während anderseits Rußland , um seinen eigenen Mangelzu bekämpfen, die Ausfuhr verbot uud dadurch nochwesentlich zur Teuerung in Deutschland beitrug. Auch hatdamals keiu Doppelwährungsmann versucht, Klagen gegendie Goldwährung zu erheben, vielmehr strengte man sichan, die unerschwinglichen Preise, welche das Getreide forderte,der Spekulation in die Schuhe zu schieben. Als nun imletzten Jahre eine sehr gute Ernte die Zufuhren aus derFremde uach Deutschland zu einem großen Teile entbehrlichmachte nnd der Preis ebenso stark fiel, als er vorher ge-stiegen war, ging es ebenfalls nicht an, die Münzverhältnissefür diese neue Wendung verantwortlich zu machen. Amallerwenigsten konnte dies gelingen für die Beziehungen zuRußland , dessen Ausfuhr noch lange verboten blieb undauch nach Wiederaufhebung des Verbotes von dem Hinderniseines höheren Differentialzolles, wie er noch immer besteht,zurückgehalten wird. Zu der Einfuhr au Weizen hatRußland imJahre 1892 kaum ein Fünftel beigesteuert, währendwir vor dem Ausfuhrverbot beinahe die Hälfte unseresImports von ihm bezogen. Dagegen sind die VereinigtenStaaten mit gewaltigem Uebergewicht in die Lücke eingetreten.Ihr Weizenexport nach Deutschland hat sich gegen I89V aufdas Zwölffache gesteigert. Der Geldverkehr der VereinigtenStaaten aber beruht wie der von Deutschland auf dereinzigen Goldwährung, so daß der Unterschied, welcher an-geblich auf russischer Seite die Ausfuhr nach Dentschlandfördert, hier nicht mitspielen kann. Noch mehr trifft dasalles zu bei der Einfuhr von Roggen. Bekanntlich hat derMaugel an dieser Brodfrucht nach der Mißernte von 1390noch größeren Anteil an dem deutschen Notstand gehabt,als der Mangel an Weizen. Die russische Zufuhr aber,welche noch ein Jahr vorher sechs Siebentel des Imports ge-liefert hatte, fiel 1892 ans ein Viertel herab. So haben wir