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Die Stichworte der Silberleute / Ludwig Bamberger
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Sonnenschirme, künstliche Zähne und Zahnarztdienste, Kor-setten, Tapeten, Pianinos und Leckerbissen des In- undAuslandes dem ländlichen Publikum anpreisen. Wer ein hal- >bes Jahrhundert zurückdenken und sich die damaligen Zu-stände derselben Oertlichkeit vergegenwärtigen kann, wird "gewiß zugeben, daß hier eine Verfeinerung der Lebens-ansprüche eingetreten ist, welche zu jener Zeit noch nicht »einmal in mittleren Städten geahnt wurde. >Es ist auch gar kein Wunder, daß ein halbes Jahrhundert G°samtr-sultat:-<fabelhafter Entdeckungen und Verbesserungen des Verkehrs .^^°r a!^und der Industrie zu einem solchen Ergebnis geführt hat. b-fs-r geworden,^Denn von den geringen Zahlen, von den wenigen Pro-A^^f^Zzenten der Bevölkerung, aus welchen sich die Reichen und gesunken,der Mittelstand zusammensetzen, können die Erzeugnisse dieserins Riesenhafte vermehrten Produktion und Bewegimg nichtaufgenommen werden. Das kann nur geschehen dnrch dieBeteiligung der Massen im weitesten Umfange. Geradeauch hierin besteht der Segen dieses Fortschritts in mate-rieller wie in geistiger Richtung. Alle diese Luxusbedürf-nisse, wenn man bessere Lebensführung mit Unrecht so be-zeichnen will, bedingen und erzeugen einen höheren Standkörperlicher und geistiger Wohlfahrt. Ihnen entspricht dieallgemeine in dem Haushalte jedes Staates, jeder Ge-meinde und jeder Familie anerkannte Thatsache, daß, wieman sich ausdrückt, das Leben teurer geworden ist. Wennauch gegen die letzten zwei Jahrzehnte, nicht gegen frühere,gewisse Preise iu deu Massenartikeln herabgegangen sind,so ist der Gesamtpreis des verbesserten Lebens ein höherergeworden; nnd gerade weil das Leben verbessert ist, wärees falsch, dieser Verbesserung dadurch entgegenzuwirken,daß man auch die Massenpreise zu steigern und dadurchdie Gesamtverbesserung wieder herabzudrücken suchte. AmSchlüsse einer Abhandlung, welche im März 1390 der ver-