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Schwegler äußert hierüber: „Nach der Sage geht jene Unionsehr rasch von statten: nach innerer Wahrscheinlichkeit hat siesich viel langsamer vollzogen. Das Verhältnis der verbundenenVölker war anfänglich wohl nur ein föderatives, isopolitisches: siebildeten nicht ein einheitliches Gemeinwesen, sondern eine Eid-genossenschaft. Man sieht dies schon daraus, daß jeder der bei-den Staaten seinen eigenen König behält; auch sagt eine glaubhafteÜberlieferung, die beiden Könige hätten über gemeinschaftlicheAngelegenheiten nicht gleich gemeinschaftlich Beratung gepflogen,sondern jeder von ihnen habe seinen eigenen Senat von hundertMännern gehabt, mit dem er sich zuvor gesondert beraten habe:hierauf erst seien sie zu gemeinsamer Beschlußfassung zusammen-getreten. Hat diese Angabe Grund — und die innere Wahr-scheinlichkeit spricht für sie —, so ist die spätere Verfassung, dienur Einen König, Einen Staat und Eine Volksversammlung kennt,ein Werk allmählicher Ausgleichung, und hat schon eine Reihe vonVermittelungen hinter sich.“ Es läßt sich aber keine bestimmteBehauptung auf stellen, ob der Name Quiriten von Anfang an dengesamten Populus oder ob er ursprünglich nur den sabinischenStamm bezeichnet hat. Doch, wie es sich auch hiermit verhaltenmöge, bedeutsam ist es immerhin, und gewiß nicht ohne tieferenhistorischen Grund, daß sich die römische Tradition in ihrer Auf-fassung der Urgeschichte Roms entschieden auf den Standpunktder palatinischen Stadt, und nicht auf denjenigen der sabinischenEroberer stellt, daß sie namentlich den Krieg mit den letzterenund die staatliche Vereinigung der beiden Stämme ganz von die-sem Gesichtspunkt aus darstellt. Man darf hieraus schließen, daßallerdings die palatinische Römerstadt der Stamm und Grund-stock gewesen ist, an den sich das Übrige angesetzt hat.“
Eine andere Frage ist, ob das Verhältnis beider Stämme vomAnfang ihrer Vereinigung an ein Verhältnis politischer Gleichbe-rechtigung gewesen ist. Hierzu bemerkt Schwegler (S. 493):„Es ist die Wahrnehmung gemacht worden, daß, wenn die Stämmezusammen genannt werden, von den kundigen Archäologen, einemVarro und Verrius Flaccus, die Tities (Sabiner) an erster Stelle