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um durch geschickte Mittel und sein gesamtes Auftreten das Ver-trauen der Volkspartei zu gewinnen, zugleich aber seine politi-schen Kenntnisse und Fähigkeiten auszubilden. An den in denJahren 78—71 stattfindenden Angriffen auf die Sullanische Ver-fassung beteiligte sich Caesar nicht.
Er ging noch einmal ein Jahr nach Rhodos , um im Umgangmit dem berühmten Rhetor Molo seine Beredtsamkeit auszubil-den. Als Pompejus und Crassus Konsuln wurden (70), warCaesar wieder in Rom und unterstützte den Kampf der Konsulngegen die Sullanische Verfassung. Ebenso unterstützte er mitWort und Tat die Gesetze der Jahre 67 und 66, durch welchePompejus den Oberbefehl gegen die Seeräuber und gegen Mithri-dates empfing. Auch sonst benutzte Caesar jede Gelegenheit,seine Verbundenheit mit Pompejus zu festigen und seine Zugehö-rigkeit zur Volkspartei zu betonen. Im Jahre 69 war er Quae-stor. Um dieselbe Zeit traf ihn der Tod seiner Gemahlin Cor-nelia, welchen er unter tiefer Bewegung des Volkes in öffentli-cher Leichenrede beklagte. Er begleitete sodann den PraetorAntonius Vetus nach Spanien .
Im Jahre 65 bekleidete Caesar die kurulische Aedilität.Er benutzte dieses Amt zu glänzenden öffentlichen Bauten. Mehr-fach befleißigte er sich, das Andenken des Marius gegen Verun-glimpfungen wieder herzustellen, welche Sulla ihm zugefügt hatte,so dadurch, daß er die Statue des Marius und dessen Trophäenaus dem Jugurthischen und cimbrischen Kriege, die Sulla zer-stört hatte, auf dem Kapitol (nächtlicher Weise) wieder herstel-len ließ.
Im Jahre 63 (dem Konsulatsjahr Ciceros) wurde Caesar durch die auf sein Betreiben gesetzlich (gegen ein Gesetz desSulla ) wieder hergestellte Volkswahl zum Pontifex Marimus er-wählt, und zwar gegen den (auch der Volksgunst teilhaftigen)Optimaten O. Lutatius Catulus Capitolinus (so benannt, da er denwiedererbauten capitolinischen Tempel weihte).
Im Senat widerriet Caesar am 3. Dezember 63 nachdrück-lich aber vergeblich die von Cicero und Cato betriebene unddurchgesetzte Exekution gegen die Anhänger Catilinas.