Panem et Circen s es
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Mit der Ausdehnung des Reiches wurde es immer gebräuch-licher, Gladiatoren aus den unterworfenen Länder zu „beschaf-fen“. Man schleppte mit Vorliebe aus größerer Ferne Menschenfremdartiger Nationalitäten und Rassen nach Rom .
Die „Verurteilung in die Gladiatorenschule“ dagegen warkein Todesurteil; die Verbrecher konnten hier nach drei Jahrendas Stockrappier (als Zeichen der Befreiung vom Auftreten inder Arena), nach fünf den Hut (das Zeichen der gänzlichen Frei-lassung) erhalten.
In der Republik hatte man Gallier, Samniten, Thracier ausnaheliegenden Landschaften fechten gesehen; in der Kaiserzeitsah man die tätowierten Wilden Britanniens, die blonden Deut-schen vom Rhein und von der Donau , die braunen Mauren ausden Kralen des Atlas, Neger aus dem Innern Afrikas und No-maden aus den russischen Steppen.
In dem Triumphzuge Aurelians im Jahre 274 gingen vordem Wagen des Kaisers mit gebundenen Händen gefangene Go-ten, Alanen, Roxolanen, Sarmaten, Franken, Sueven, Vandalen,Germanen, ferner Palmyrener und ägyptische Rebellen, auch zehnWeiber, die in männlicher Tracht kämpfend unter den Gotengefangen worden waren. Viele von ihnen mußten bei den aufden Triumph folgenden Schauspielen in der Arena kämpfen.
Nach dem Triumph des Probus über die Germanen undBlemmyer (ein äthiopisches Volk) mußten von den Gefangenen300 Paare miteinander fechten.
Mit den Fechtern der fremden Länder wurden auch ihreWaffen, Trachten und Kampfarten eingeführt, wie die kleinenrunden Schilde der Thracier, die großen viereckigen der Samni-ten, die Schuppenpanzer der Parther und die Streitwagen derßritannier. Neben diesen nationalen Bewaffnungen und Kampf-arten wurde noch durch neue Erfindungen für Mannigfaltigkeitder Schauspiele gesorgt.
So traten die Gladiatoren in den verschiedensten Rüstungenund Waffen auf, Mann gegen Mann oder in ganzen Scharen, aberauch in förmlichen Schlachten, in denen tausende fochten undnach welchen der Boden mit Leichen bedeckt war.