Teil eines Werkes 
1 (1931) Von der ältesten Zeit bis auf Kaiser Konstantin
Entstehung
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376 D* e Stände und das Volk. Stadtbild und Stadtleben

Die auf der Straße versammelte Menge der Freunde, Nach-barn, Neugierigen bricht in ein donnerndes Jubelgeschrei aus.Rasch entzünden sich die Fackeln, und ihre Träger sowie eineAnzahl von Flötenbläsern eröffnen den Zug, der sich langsamdurch die Menge den Weg bahnt. Nachdrängend schließen sichdie meisten Zuschauer dem Zuge an. Alles ruft:Talassio!Talassio! (Name eines verschollenen Hochzeitsgottes). Dannstimmt der Zug das Hochzeitslied (Fescennini versus oderFescennina) an. Die Braut wird von drei schönlockigen Kna-ben geleitet, von denen der eine ihr die Hochzeitsfackel voran-trägt, die beiden andern sie an den Händen führen. Rocken undSpindel werden, mit bunten Schleifen geziert, ihr nachgetragen.Dann folgt der Bräutigam. Er wirft Nüsse und kleine Münzenunter die dieselben stürmisch fordernde und dann sich darumbalgende Straßenjugend, die sich durch die vorderstenReihen der Zuschauer an den Zug herangedrängt hat. DasHaus des Bräutigams liegt in der Via Salaria bei der Porta Sa-laria. Auch dessen Tür ist mit Kränzen, Bändern und Teppichengeschmückt. Die Braut salbt die Türpfosten ihres neuen Hausesmit öl und Schweinefett, und bringt an ihnen wollene Binden an.Dann wird sie von den Brautführerinnen rasch über die Schwellegehoben und hineingetragen. Nur der Bräutigam, die Eltern, dienächsten Freunde und Freundinnen und die zur Bedienung derjungen Frau ausgewählten väterlichen Sklaven folgen in dasHaus das nunmehr abgeschlossen wird.

Die Alta Semita verläuft ganz innerhalb der ServianischenStadtmauer, auf dem ersten Teil unseres Weges von der Mauerdurch einen breiten dem Marsfelde angehörenden Terrainstrei-fen geschieden, auf welchem mehrere religiöse Gebäude, insbe-sondere das sog. Templum Salutis und das Templum Quirinus*)stehen.

Dann rückt die Servianische Steinmasse ziemlich dicht andie Alta Semita heran, um dieselbe bis zur Porta Collina in an-

*) Die Aedes Serapis, welche ebendort gebaut wurde, ist wahrschein-lich erst nach 212 entstanden.