408 Sittliche Geistigkeit in der Kaiserzeit
in der Hoffnung mit demselben in Rom einzuziehen, eine Hoff-nung, welche auf eine von ihr freilich nicht erwartete Weise er-füllt ward. Ein anderer Wagen, es hieß der des Gothenkönigs,war von vier Hirschen gezogen; Aurelian fuhr auf demselbenzum Kapitol hinan und opferte einem Gelübde gemäß die Hirschedem Jupiter. Voraus gingen zwanzig Elefanten, gezähmte TiereLibyens, gegen zweihundert aus Palästina, welche Aurelian so-gleich an Privatleute schenkte, um dem öffentlichen Haushaltnicht zur Last zu fallen. Vier Tiger, Giraffen, Elentiere und an-dere wurden vorgeführt. Auf achthundert Gladiatorenpaarefolgten die Gefangenen aller besiegten Völker, wie die vornehmenPalmyrener und Ägypter mit gebundenen Händen. Zehn Weiberdie im Gothenheere gleich Männern gekämpft hatten, die einzigenunter vielen anderen Lebendgebliebenen waren als Amazonen be-zeichnet. Die Namen der besiegten Völker wurden auf Tafelngeschrieben einhergetragen. Tetricus trug eine scharlacheneChlamys, eine grünlichgelbe Tunica, gallische lange Beinkleider;bei ihm war sein Sohn, den er in Gallien zum Imperator ausge-rufen hatte. Zenobia war mit Edelsteinen geschmückt, mit gol-denen Ketten gefesselt, welche Nebenangehende trugen. Die Gold-kronen der Städte waren mit den Namen bezeichnet. Das römi-sche Volk, die Banner der Collegien und Lager, die gepanzertenKrieger, das Heer, der Senat trugen zur Erhöhung des Glanzesbei; der Senat aber war niedergeschlagen, denn er sah Senatorenim Triumph aufführen. Kaum um die neunte Stunde erreichteman das Kapitol, spät das Palatium. An den folgenden Tagenfanden allerlei Volksbelustigungen statt scenische und circensi-sche Spiele, Tierhetzen, Gladiatorenkämpfe, Naumachien. EheAurelian zum östlichen Kriege zog, hatte er dem Volke zwei-pfündige Kronen versprochen, wenn er als Sieger heimkehrte.Das Volk mochte goldene Kronen hoffen: der Imperator verteilteaus Brot gebildete, so daß jeder während seiner Regierung undspäter noch ein Weizenbrot erhielt.