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Rhodische Schule, von Chares gestiftet, wird durch die Laokoon-Gruppe und den Farnesischen Stier charakterisiert, die Perga-menische durch den Zeus-Altar von Pergamon und den Sterben-den Gallier.
V.
Zeitlich zurückgreifend bis zum Jahre 670 v. Chr. fassenwir nunmehr die Dichtkunst ins Auge, deren Anfänge als ele-gische Dichtkunst in diesen Zeitpunkt fallen und sich an denNamen des Joniers Kallinos von Ephesus knüpfen. Dem Kalli-nos wird die Erfindung des Distichon, der ersten Form derStrophenbildung, zugeschrieben. Als Vertreter dieser in joni-schem Dialekt gehaltenen Poesie sind zu nennen: Mimneros vonKolophon (Kleinasien), 580, Tyrtaios, Jonier, aber in Sparta wirkend (685—668) mit Kriegselegien und Marschliedern, So-lon, der Gesetzgeber Athens , mit 5000 Versen und mit der pa-triotischen Elegie „Salamis“, ferner Theognis von Megara(540 bis 500).
Die Verbindung der Dichtung mit der Musik war den Do-riern zu verdanken, in erster Linie dem Musiker und DichterTerpandros aus Antissa auf der Insel Lesbos , aber hauptsächlichin Sparta wirkend, wo er im Jahre 676 in dem ersten musischenWettkampf am Feste des Apollon Karneios den Sieg davon trug.Er soll die siebensaitige Leier (Kitharis) anstelle der bisherigenviersaitigen eingeführt haben. In Sparta (um 660) dichtete deraus Sardes in Lydien stammende Dichter und Musiker Alkman Chorlieder für Jungfrauen (Parthenien), welche Bewunderungund Verbreitung fanden. Ihm ähnlich war in Himera auf Sizi-lien Stesicheros (= Choraufsteller) tätig. Derselbe stammte ausMatauros in Unteritalien (645—560). Stesicheros machte da-durch Epoche, daß er in den Chorgesängen der Strophe undAntistrophe die Epode hinzufügte. Die Anordnung und Ein-übung von Chören betrieb er berufsmäßig als ein Geschäft, wel-ches in seiner Familie erblich blieb. Dichter, Musiker und Chor-dirigent war auch Arion (628—585), von dessen Delphin -RettungHerodot, Cicero, Ovid erzählen. Er war aus Methymna auf derInsel Lesbos, lebte lange in Korinth bei seinem Freunde, dem