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Gebet geheilt, wollte er sie nun befreien, aber das wütende Volkverlangte den Tod der vermeintlichen Zauberin. Sie wurde auf denScheiterhaufen gelegt, allein die Flammen wichen zurück von ihrund verzehrten die Henkersknechte. Sie selbst blieb unversehrt,wurde aber dann auf Befehl des Präfecten enthauptet. DieChristen begruben sie an der Via Nomentana im Garten ihrerEltern.
San Sebastian, als dessen Todesjahr 288 angenommenwurde, war in Narbonne geboren und diente als Hauptmann imrömischen Heere. Er war Christ und suchte seine Glaubensge-nossen, wo er nur konnte, zu beschützen; auch bekehrte er vielevon seinen Kameraden. Zwei von diesen, Marcus und Marcel-linus, wurden als Christen erkannt und gefoltert; sie ertrugenihre Qualen standhaft. Als sie aber zum Richtplatz geführtwurden, kamen ihre Mütter, Weiber und Kinder und flehten siean, durch Widerruf ihr Leben zu erhalten. Erschüttert von demJammer ihrer Lieben schwankten sie einen Augenblick. Da tratSebastian hervor und beschwor sie, ihren Herrn nicht zu ver-leugnen. Nun gingen sie unerschrocken in den Tod, und vielewurden durch ihr Beispiel bekehrt. Natürlich wurde nun Seba-stian verklagt; aber der Kaiser hatte ihn lieb und beschied ihnheimlich zu sich, um ihn durch Vernunftgründe zu überzeugen.Als das nicht gelang, gebot er, ihn mit Pfeilen zu erschießen,doch sollte eine Inschrift über seinem Haupte besagen, daß erkeine andere Schuld trüge als die, ein Christ zu sein. Nach-dem die Bogenschützen Sebastian von Pfeilen durchbohrt für totam Baum gefesselt verlassen hatten, kam eine fromme Witwe,Irene, herzu, um ihn zu bestatten. Da aber die Pfeile nur insFleisch gedrungen, war noch Leben in ihm. Sie ließ ihn in ihrHaus tragen und pflegte ihn, bis seine Wunden geheilt waren.Dann beschwor sie ihn, Rom zu verlassen. Sebastian aber stelltesich eines Tages dem Kaiser in den Weg und machte ihm Vor-stellungen wegen der Christenverfolgungen. Darüber geriet derKaiser in Zorn, ließ Sebastian totschlagen und in die CloacaMaxima werfen. Sein Leichnam wurde aufgefischt und von derChristin Lucina an der Appischen Strasse begraben.