Päpstliche Friedensvermittlung
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wurde. Es scheint, daß in der Zwischenzeit die Feindseligkeitennicht wieder aufgenommen wurden.
Der neue Exarch Smaragdus , der nach dem Sturze des Kai-ser Mauritius den Exarchen Kallinikus, den Nachfolger des Ro-manus abgelöst hatte, schloß im Monat September 603 mitden Langobarden einen Waffenstillstand bis zum 1. April 605.
II.
Der blutige byzantinische Thronwechsel des Jahres 602, wel-cher an die Stelle des ermordeten trefflichen Kaisers Mauritius den Centurio Phokas setzte, „eines der verruchtesten Ungeheuer,welche die byzantinische Geschichte kennt," berührte die StadtRom und den kurz vor seinem Lebensende stehenden Papst Gre-gor in einer Weise, welche in Gestalt der jedem Romfahrer be-kannten Phokas-Säule des forum Romanum auf eine groteskeWeise „Verewigung“ gefunden hat.
Der Empörer Phokas, ein mit dem Blute des Kaisers Mau-ritius und seiner fünf Söhne, die er vor dem Angesicht des Vatershatte schlachten lassen, beflecktes Scheusal herrschte seit dem23. November 602 in Byzanz.
Phokas befleißigte sich, die Äußerlichkeiten byzantinischerKaiserlichkeit gewissenhaft zu erfüllen. Dazu gehörte, daßer gleich nach der Thronbesteigung sein und seines Weibes Le-ontia Bildnisse nach Rom sandte, wo sie am 25. April 603anlangten. Es war nämlich ein schon eingewurzelter Gebrauch,daß der jedesmalige Kaiser gleich nach der Thronbesteigung, seinund seiner Gemahlin Bild unter einem Geleite von Soldaten undFlötenspielern an die Magistrate der Provinzen schickte. Mannannte diese Bilder „Laurata“, wahrscheinlich weil sie mit einemLorbeerkranz um das Haupt geschmückt waren; sie vertraten dieStelle der Kaiser, und die knechtischen Völker schämten sichnicht, ihnen, wenn sie in den Städten anlangten, feierlich mit an-gezündeten Kerzen entgegenzuziehen, wie lebendigen und gött-lichen Wesen zu huldigen, und sie dann an einem geweihten Orteaufzustellen. (Gregorovius ).