Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Päpstliche Friedensvermittlung

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Eine Reihe einzelner Ausführungen aus quellenmäßigen Be-richten möge das veranschaulichen:

Die Zeiten, da der Konsul Geld unter das Volk ausstreute,und der Präfekt für die öffentlichen Austeilungen an Getreide,öl, Fleisch und Speck von staatswegen sorgte, waren nicht mehr;der SchreiPanem et Circenses wurde nur noch zur Hälfte ge-hört. Das Volk verlangte Brot, und der Papst gab es ihm. Inseinem Kloster auf dem Clivus Scauri hatte Gregor schon alsMönch die Armen täglich gespeist. Als Papst betrachtete er esals seine Pflicht, das Volk zu nähren. Am Anfang eines jedenMonats teilte er Getreide, Kleider und Geld an die Bedürftigenaus, an jedem Hauptfeste gab er den Kirchen und milden An-stalten Geschenke *)

Die Römer hatten einst in Säulenhallen, Theatern und öf-fentlichen Speichern des Staats ihre Verpflegung erhalten, jetztdrängten sie sich an die Vorhöfe der Basiliken und Klöster, umKleidung und Speise von geistlichen Beamten zu empfangen. DieScharen der Pilger, die über See kamen, fanden schon in Portusdas alte Pilgerhaus, welches der Senator Pammachius , der Freunddes Hieronymus , gestiftet hatte, zu ihrer Aufnahme bereit, undwas in die Tore Roms zog, sei es als Wallfahrer, sei es als

*) Die Güter des Apostels Petrus im Stadtgebiete Roms zu beiden Sei-ten des Tiber umfaßten vier Gruppen: das Patrimonium Appiae, welches alleLändereien zwischen der Via Appia und dem Meer bis zur Via Latina hinbegriff; das Labicanense zwischen der Via Labicana und dem Anio; das Ti-burtinum zwischen der Via Tiburtina und dem Tiber ; endlich das Patrimo-nium Tusciae, das größte von allen, welches die weiten Landstrecken auf demrechten Ufer des Tiberstroms umfaßte. Außerdem bildeten Besitzungen inder Stadt selbst, wo die Kirche Häuser, Gärten und Weinberge erworbenhatte, ein eigenes Patrimonium urbanum. Die Gruppen der großen Patrimo-nialbezirke zerfielen in Wirtschaften, die man Fundus odei Massa nannte.Man bezeichnete mit dem Begriff Fundus ein Grundstück, wozu casae odercasales für die Kolonen gehörten. Mehrere Fundi zusammen bildeten eineMassa, oder nach dem heutigen römischen Ausdruck eine Tenuta, und mehrereMassae wiederum ein Patrimonium.