Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
Seite
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Zeremonien und sonstiger Verlauf der Krönungen 787

Unsere Skizze entspricht derjenigen regelmäßigen Ge-staltung einer Kaiserkrönung, welche sich an einem einzigenTage abwickelt, an dem der Einzug des Königs und der mit ihmzu krönenden Königin bei Sonnenaufgang, vom Monte Marioher in die leoninische Stadt, stattfindet, und nach der Krönungin der Peterskirche sich der Festzug nach dem Lateran bewegt,wo nachmittags sich das Festbankett anschließt.

Der Hergang ist folgender: Sobald der König mit seinerGemahlin *) vom Monte Mario aus sich gegen die zu seinenFüßen liegende herrlich geschmückte Koma in Bewegung setzt,kommen ihm die Römer in festlichem Zuge entgegen, um ihnin die Stadt zu geleiten. Doch muß der König ihnen erst beiGott und seinem hl. Evangelium schwören, daß er ihre Gewohn-heiten und Gesetze wahren wolle. Dreimal muß er diesen Eidleisten: Das erste Mal schwört er ihn bei einer kleinen Brücke amFuße des Monte Mario, die die Stadtgrenze bezeichnete. Erwiederholt ihn dann vor der Porta Collina **), die in die Leostadtführte, und an den Stufen der Peterskirche. Nicht weit von demgenannten Tore lag die alte Kirche Maria Transpontina, nahe beieinem Monument, das manTerebinthus Neronis ***) nannte.

*) Die Mehrzahl der Kaiser wurde mit der Königin zugleich gekrönt:Otto I. mit Adelheid, Heinrich II. mit Kunigunde, Konrad II. mit Gisela,Heinrich III. mit Agnes, Heinrich IV. mit Bertha, Lothar von Supplinburg mit Richenza, Heinrich VI. mit Constantia, Friedrich II. mit Constantia.Ohne Gemahlin sind gekrönt: Otto II., Otto III., Heinrich V., Friedrich I. und Otto IV.

**) Porta Collina hieß das Tor im Munde des Volkes; der eigentlicheName war porta (oder posterula) castelli (S. Angeli). Es ist eines von dendrei alten Toren, welche in die civitas Leonina führten und war besondersbei denen im Gebrauch, die von Norden her in die Stadt kamen.

***) Der NameTerebinthus Neronis ist gleichbedeutend mit dem NamenObelisk Neros und wird beschrieben als ein Gebäudeso hoch wie dasKastell des Kaisers Hadrian , mit wundervollem Stein getäfelt, rund wie dasKastell, die Ränder mit steinernen Tafeln bedeckt. Neben diesem Bau warder Apostel Petrus gekreuzigt worden.

Der Terebinthus darf nicht verwechselt werden mit Meta Romuli,welche sich in der Nähe befand, eine antike Grabpyramide, welche auch unter